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Bergsteiger-Drama:Verzweiflung an der Teufelswand

Helfer versuchen, am Nanga Parbat die Begleiter des abgestürzten Karl Unterkircher zu bergen. Die Rettungsaktion wurde wegen schlechten Wetters zunächst abgebrochen.

Julius Müller-Meiningen, Rom

Nach dem Absturz des 38-jährigen Südtiroler Bergsteigers Karl Unterkircher am Nanga Parbat scheinen sich seine Begleiter vorübergehend in Sicherheit gebracht zu haben.

Ein pakistanischer Helikopter auf dem Weg zu einer Rettungsaktion auf dem Nanga Parbat im Himalaya (Archivfoto vom 10.08.2005): Die jüngste Rettungsaktion musste abgebrochen werden

(Foto: Foto: dpa)

Der 36-jährige Walter Nones und Simon Kehrer, 29, seien am Donnerstagabend auf einer Höhe von etwa 6950 Metern gesichtet worden und hätten ein orangefarbenes Zelt aufgestellt. Das berichtete die Alpinistin Sara Sottocornola aus Bergamo, die mit Mitgliedern einer italienischen Hilfsexpedition in Verbindung steht.

Man glaube, dass Nones und Kehrer versuchten, von der Rakhiot-Wand bis zu einem auf 7200 Meter gelegenen Sattel aufzusteigen und dann mit dem Abstieg zu beginnen. Die drei Alpinisten, von denen Unterkircher der erfahrenste war, wollten als Erste den 8125 Meter hohen Nanga Parbat über die Rakhiot-Wand erklimmen.

Die italienischen Extrembergsteiger Maurizio Gallo und Silvio Gnaro Mondinelli waren am Donnerstag aus Italien zu einer Hilfsaktion am Nanga Parbat aufgebrochen.

Am Freitagnachmittag flogen sie mit einem Hubschrauber der pakistanischen Armee auf bis zu 6500 Meter Höhe, wegen des schlechten Wetters allerdings ohne Erfolg. Die festsitzenden Bergsteiger wurden von den Helfern allerdings gesichtet.

Gallo und Mondinelli planten, am Samstagmorgen zu einem weiteren Flug aufzubrechen, um Hilfspakete mit Gas, Biwaks und einem Telefon abzuwerfen.

"Unter dem Schnee"

Hubschraubereinsätze in derartigen Höhen gelten als extrem riskant. Die pakistanische Armee hatte zwei Militärhubschrauber vom Typ Ecureuil B3 zur Verfügung gestellt, die in derartigen Höhen flugbereit sind.

Für das Überleben Unterkirchers gibt es wohl keine Hoffnung mehr. Der Organisator der Hilfsexpedition in Italien, Agostino Da Polenza, sprach vom "tragischen Tod" des Alpinisten. Der Bergsteiger war vor drei Tagen auf etwa 6400 Metern Höhe in eine Gletscherspalte gestürzt. Was sich genau zugetragen hat, ist ungeklärt.

Herbert Mussner, der Manager Unterkirchers, sagte der Süddeutschen Zeitung, er habe am Dienstagfrüh einen Anruf per Satellitentelefon von Simon Kehrer bekommen. "Simon sagte, es habe ein Unglück mit Karl gegeben. Karl sei unter dem Schnee, sie könnten nicht mehr zurück und müssten noch 1200 Meter aufsteigen. Nach einer Minute brach die Verbindung ab, die Batterie war anscheinend schwach", sagte Mussner.

Berichtet wird zudem von einem Anruf Walter Nones' bei seiner Frau, in dem dieser erklärte, dass eine Rückkehr an der Rakhiot-Wand unmöglich sei. Kehrer und Nones hätten nach vergeblichen Versuchen, den Verunglückten zu bergen, das Satellitentelefon Unterkirchers an sich genommen. Ob er zu diesem Zeitpunkt noch am Leben war, ist bislang nicht bekannt.

© SZ vom 19.07.2008/grc
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