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Delphine Boël:Die Prinzessin allein gegen "drei Monster"

Delphine Boël, die nun als belgische Prinzessin Delphine de Saxe-Cobourg Gotha heißt.

(Foto: Thierry Roge/AFP)

Belgien hat eine neue Prinzessin: Delphine Boël, nun Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha, die uneheliche Tochter des früheren Königs Albert II. Einer belgischen Zeitung hat sie nun erzählt, wie der Kampf für sie war - und wie ihr Vater reagierte.

Von Matthias Kolb, Brüssel

Ein wenig klingt es wie ein Märchen. Glaubt man Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha, musste sie es mit drei Monstern aufnehmen, um Prinzessin zu werden. Lange habe sie gezögert, ob es sich lohne, ganz allein gegen diese anzukämpfen, hat Belgiens royaler Neuzugang gerade in einem großen Interview erzählt. Mit den Monstern meinte sie: die Justiz, die Medien und natürlich die Monarchie. "Es ist wie eine Scheidung. Ich habe Jahre gebraucht, den Mut dafür aufzubringen", sagte sie.

Mit dem Ergebnis dieses Kampfes hatte wohl kaum jemand gerechnet. Für die 52-Jährige, die bislang den Nachnamen Boël trug, ist es ein Sieg auf ganzer Linie: Sie ist nun offiziell Prinzessin von Belgien und darf sich Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha nennen. Auch ihre beiden Kinder dürfen royale Titel tragen. Bereits im Januar hatte das Gericht den ehemaligen König Albert II. zum Vaterschaftstest gezwungen. Für die Belgier, die die Ähnlichkeit des heute 86-jährigen Monarchen und der Künstlerin auf Fotos sahen, war die Sache sowieso längst geklärt.

Seit der Klärung der Vaterschaft habe sie allerdings weder einen Anruf noch einen Brief aus dem Königshaus erhalten, verriet die Neu-Prinzessin nun Le Soir. Die Tageszeitung druckte am Montag das lange Interview über den siebenjährigen Rechtsstreit und die Rückschläge ab, die sie und ihre Familie durchleiden mussten.

Ausführlich erzählt die Künstlerin darin auch ihre Familiengeschichte: Als sie 17 war, habe ihre Mutter, Baronin Sybille de Sélys Longchamps, ihr von ihrer langjährigen Affäre mit Albert II. berichtet und den wahren Vater enthüllt. Der König, der von 1993 bis 2013 im Amt war, hatte 1999 seine Affäre öffentlich eingeräumt, doch die Verwandtschaft stets abgestritten. 2001 rief Albert II. Delphine an, um ihr zu sagen: "Du bist nicht meine Tochter".

King Albert II of Belgium Abdication and King Philippe Investitur

Vater wider Willen: Albert II. bei seiner Abdankung im Juli 2013.

(Foto: Thierry Roge/dpa)

Vor der Klage im Jahr 2013 habe sie versucht, "im Stillen" und unbemerkt von der Öffentlichkeit die Sache zu klären. Doch da Albert II. stets von Höflingen, Beratern und Leibwächtern umgeben gewesen sei, konnte sie sich nie erklären lassen, wieso er die Vaterschaft so vehement abstritt. Es sei ihr nie um Geld oder Entschädigung oder gar um Rache gegangen, betont sie, sondern um die eigene Freiheit. Leicht pathetisch sagt sie: "Das Gericht hat mir bestätigt, dass ich das Recht habe, zu existieren."

Weder von ihrem Bruder, dem aktuellen König Philippe, noch von dessen Vater erwarte sie irgendetwas, gibt Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha weiter zu Protokoll: "Ich verlange nichts mehr, und ich werde nicht niederknien, um eingeladen zu werden." Am wichtigsten sei, dass endlich die Last von ihren Schultern abfalle und sie etwas Ungeahntes spüren könne: Leichtigkeit. Erleichtert sei auch ihre 79 Jahre alte Mutter über das Urteil, denn die Beziehung der beiden hatte sehr stark gelitten.

Und was folgt aus alldem? Wahrscheinlich erst mal ein Buch

Das Urteil hat auch zur Folge, dass das Königshaus alle Anwaltskosten seines Neu-Mitglieds übernehmen muss. Einen Nachteil könnte der juristische Erfolg jedoch haben. Ihrer Arbeit als Künstlerin werde der Adelstitel nicht helfen, sagt die 52-Jährige: "In der Kunstwelt ist es besser, wenn man von der Straße kommt." Zum Glück habe sie sich bereits einen Namen erarbeitet, als der Streit begann, und ihre Werke stets mit "Delphine" signiert.

Ein wenig verdienen könnte sie dann aber auch noch an dem Prozess: Am Ende des Gesprächs mit Le Soir deutet die neue Prinzessin an, ihre Geschichte auch in einem Buch verarbeiten zu wollen: "Ich denke, dass es fast notwendig ist." Offen ist, ob sie nun nicht auch einen Teil von Alberts Vermögen erben könnte. Am Montagnachmittag sagte sie auf einer Pressekonferenz in Brüssel, sie könne sich auch vorstellen, ihren Titel für wohltätige Zwecke einzusetzen.

In Belgien hat das Urteil bisher die Schlagzeilen nicht dominiert. Das Land kämpft, wie so viele EU-Staaten, mit der Corona-Krise, am Tag vor Bekanntgabe des Urteils wurde die traurige Marke von 10 000 Toten durchbrochen. Und König Philippe, der sich oft volksnah präsentiert, stand nicht wegen des Schweigens seiner Familie im Zentrum des Interesses, sondern weil er knapp 500 Tage nach der Parlamentswahl endlich eine Regierung vereidigen konnte. Doch irgendwann wird der Moment kommen, wo sich das Staatsoberhaupt wird äußern müssen. Seine neu hinzugekommene Schwester sagte auf der Pressekonferenz über die königliche Familie: "Wenn sie ein Lebenszeichen zeigen, werde ich ihnen nicht den Rücken kehren."

© SZ/afis/ick/nas/jsa
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