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Protokoll der Polizeiaktion:Blutiges Ende des Nervenkriegs von Toulouse

Erbitterter Widerstand bis zur letzten Sekunde: Nach mehr als 30-stündiger Belagerung liefert sich der Serienmörder von Toulouse bei der Erstürmung seiner Wohnung ein heftiges Feuergefecht mit der Polizei. Dabei werden zwei Beamte einer Spezialeinheit verletzt - der Attentäter, Mohammed Merah, kommt ums Leben.

Die Spezialeinheiten der französischen Polizei wollen das Überraschungsmoment nutzen, als sie in der Nacht zum Mittwoch versuchen, das Versteck des mutmaßlichen Attentäters von Toulouse zu stürmen. Doch die Aktion misslingt, der schwerbewaffnete Mohammed Merah schießt auf die Beamten und hält sich 32 Stunden lang in seiner Wohnung verschanzt.

[] Mit einer Zermürbungstaktik versucht die Polizei, Mohammed Merah in der Nacht zu Donnerstag zum Aufgeben zu bewegen. Der junge Mann sitzt im Dunkeln, Strom und Gas sind abgestellt. Zudem werden nahe der Wohnung mehr als zehn Detonationen ausgelöst - in der Hoffnung, dass diese den Attentäter ins Freie treiben.

[] Auch im Laufe des Vormittags gelingt es nicht, wieder in Verhandlungen mit dem 23-Jährigen einzutreten. Zwischenzeitlich werden sogar Zweifel laut, ob Merah nicht schon längst tot ist. "Es ist seltsam, dass man kein Lebenszeichen gesehen hat, dass er nicht reagiert hat", sagt Innenminister Claude Guéant. Dennoch zögert die Polizei, das Haus zu stürmen.

[] Gegen elf Uhr am späten Vormittag fällt dann doch die Entscheidung: Beamte der Eliteeinheit RAID dringen in Merahs Wohnung im ersten Stock vor. Der Todesschütze von Toulouse ergibt sich jedoch nicht kampflos, es kommt zu einem heftigen Feuergefecht.

[] Eine halbe Stunde nach Beginn der Erstürmung berichten erste Medien, der 23-Jährige sei bei der Polizeiaktion ums Leben gekommen. Um zwölf Uhr tritt Innenminister Guéant vor die Presse und bestätigt: Mohammed Merah ist im Laufe der gewaltsamen Auseinandersetzung mit der Polizei aus dem Fenster gesprungen - und tot auf dem Boden aufgefunden worden.

[] Am Nachmittag scheint dann auch die Todesursache klar. Der zuständige Staatsanwalt sagt auf einer Pressekonferenz in Toulouse, Mehra sei in legitimer Selbstverteidigung erschossen worden.

© Süddeutsche.de/leja/lala

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