Belästigungsskandal an US-Universität Uni-Gynäkologe soll Hunderte von Studentinnen belästigt haben

Die University of Southern California in Los Angeles ist wegen eines Missbrauchsskandals in den Schlagzeilen.

(Foto: AP)
  • Ein Skandal um sexuelle Belästigung erschüttert die University of Southern California, eine in Los Angeles ansässige internationale bekannte Privathochschule.
  • Ein bei der Universität angestellter Gynäkologe, der für die Betreuung der Studentinnen zuständig war, soll über jahrzehnte hinweg Frauen belästigt haben.
  • Jetzt sollen die Opfer Entschädigungszahlen bekommen, doch einige Anwälte kritisieren die Einigung.

Die University of Southern California (USC) ist eine der angesehensten Privatuniversitäten der Welt. Um dort zu studieren, zahlen Studenten mehr als 27 000 Dollar Studiengebühren pro Semester. Doch im Moment steht die Uni vor allem wegen des zögerlichen Umgangs mit Belästigungsvorwürfen gegen einen Arzt im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Um Klagen abzuwenden, will die USC einen der teuersten juristischen Vergleiche der US-Universitätsgeschichte schließen. Die Uni will bis zu 215 Millionen Dollar (ungefähr 187 Millionen Euro) an ehemalige und aktive Studentinnen auszahlen.

Ein Gynäkologe, der seit 1988 im campuseigenen Gesundheitszentrum für die Gesundheit der Studentinnen zuständig war, soll in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit hunderte Patientinnen sexuell belästigt haben. Mit anzüglichen Kommentaren, unangemessenen Fotos und unerwünschten Berührungen. Beinahe 500 Frauen haben die Uni deshalb angezeigt.

Die Uni wusste seit 2000 von den Vorwürfen

Unter den Bedingungen des Vergleichs, der noch von einem Gericht bestätigt werden muss, bietet die USC jeder ehemalige Patientin des Arztes pauschal 2500 Dollar an. Die, die ihm Belästigung vorwerfen und bereit sind, sich psychologisch untersuchen zu lassen, sollen bis zu 250 000 Dollar bekommen.

Schon im Mai war wegen der Vorwürfe der Präsident der Uni, C.L. Max Nikias, zurückgetreten. Denn die USC steht nicht unschuldig da: Eine interne Untersuchung ergab, dass die Hochschule seit spätestens 2000 von den Vorwürfen wusste. Die Untersuchung stellte außerdem das "unangemessene Verhalten" des Gynäkologen fest. Trotzdem konnte sich der Mediziner mit der Schule einigen und 2017 ohne größeres Aufsehen zurücktreten.

Opferanwälte wollen den Vergleich nicht annehmen

Einige Opferanwälte zeigten sich empört über den Vergleich. Anwalt John Manly, der 190 Studentinnen vertritt, kritisierte den Vorschlag in der New York Times. Es sei absurd zu glauben, dass Frauen, die mit 17 oder 18 zu einem Arzt gingen und dort sexuell belästigt und beleidigt wurden, sich wegen 2500 Dollar plötzlich als Siegerinnen fühlen würden. Der Universität gehe es nur um PR. Manly und andere Anwälte wollen die Klagen gegen die USC weiter verfolgen. Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles prüft außerdem ein strafrechtliches Verfahren gegen den Arzt selbst.

Der Fall weckt Erinnerungen an den Fall des Gymnastiktrainers Larry Nassar, der an der Michigan State University ebenfalls hunderte Frauen und Mädchen teils schwer sexuell missbrauchte und ebenfalls jahrzehntelang unbehelligt blieb. Die Michigan State stimmte schließlich einem Vergleich in Höhe von 500 Millionen Dollar zu. Nassar wurde im Januar zu 175 Jahren Haft verurteilt.

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