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Bei Überfahrt nach Italien:Dutzende Tote nach Bluttat auf Flüchtlingsboot

Sie sollen zahlreiche Flüchtlinge erstochen und über Bord geworfen haben: Nach einem Streit auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer hat die italienische Polizei fünf Menschen festgenommen. An Bord war Panik ausgebrochen.

  • Nach einem angeblichen Massaker an Bord eines Flüchtlingsschiffs aus Afrika sind fünf Migranten in Italien festgenommen worden.
  • Sie sollen nach einer Panik mehrere Menschen erstochen und über Bord geworfen haben.
  • Insgesamt sollen auf der Überfahrt mehr als 140 Menschen gestorben sein.
  • Auch in der spanischen Exklave Melilla gab es erneut einen Zwischenfall: Etwa 1000 Flüchtlinge haben dort versucht, den Grenzzaun zu stürmen.

Streit an Bord des Flüchlingsschiffs

In Italien sind fünf Migranten unter dem Vorwurf festgenommen worden, auf einem Flüchtlingsschiff ein "Massaker" verübt zu haben, wie es in verschiedenen italienischen Medienberichten heißt. Die fünf Männer zwischen 21 und 32 Jahren sollen bei einem Streit auf dem Schiff bei der Überfahrt von Tunesien nach Italien zahlreiche Menschen erstochen und über Bord geworfen haben.

Demnach brach der Streit zwischen zwei Gruppen von Flüchtlingen aus, als das Schiff in stürmischer See zu sinken begann. Das Schiff mit mehr als 560 Menschen an Bord war am 19. Juli vor der Küste der Insel Lampedusa von italienischen und maltesischen Marineschiffen gerettet worden. Auf dem völlig überladenen Schiff wurden die Leichen von 30 Menschen entdeckt, die offenbar von der Besatzung im Schiffsinnern eingeschlossen worden waren und dort der Hitze erlagen oder an Abgasen erstickten.

Mehr als 140 Menschen sollen ums Leben gekommen sein

Laut den Medienberichten geht die Polizei davon aus, dass insgesamt mehr als 140 Menschen auf dem Schiff ums Leben kamen. Augenzeugen berichteten, im Inneren des Schiffes eingeschlossene Flüchtlinge seien wegen der Hitze und Enge in Panik geraten, hätten die Tür zum Deck aufgebrochen und seien auf die Brücke gestürmt.

Dort sei es zum Streit mit einer anderen Gruppe gekommen über die Frage, ob sie die Reise trotz der Probleme fortsetzen oder nach Tunesien zurückkehren sollten. Laut der Polizei wurden bei dem Handgemenge 50 Menschen über Bord geworfen und 60 weitere erstochen und dann ins Meer geworfen.

Die Schmuggler stammen aus Tunesien, die Flüchtlinge aus Syrien

Den Medienberichten zufolge handelte es sich bei den fünf Festgenommenen um einen Syrer, zwei Marokkaner, einen Palästinenser und einen Saudi-Araber. Drei von ihnen hätten fliehen wollen und bereits Bustickets nach Mailand in der Tasche gehabt. Zuvor waren bereits die drei tunesischen Schmuggler festgenommen worden, die offenbar nichts unternommen hatten, um die Gewalt zu stoppen. Die meisten der Flüchtlinge an Bord waren Syrer. Wegen des ruhigen Sommerwetters hat die Zahl der Flüchtlinge, die die gefährliche Überfahrt nach Italien wagen, zuletzt deutlich zugenommen.

Tausend Flüchtlinge stürmen Grenzzaun zu spanischer Exklave Melilla

Etwa 1000 afrikanische Flüchtlinge haben den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Melilla gestürmt. Marokkanische Sicherheitskräfte und neu angebrachte sogenannte Anti-Klettermaschen haben sie aber daran gehindert, über den Hochsicherheitszaun zu gelangen. "Niemand ist durchgekommen", sagte ein Sprecher der Verwaltung von Melilla.

In Melilla und der spanischen Exklave Ceuta gibt es die einzigen Landgrenzen zwischen Afrika und der Europäischen Union. In den vergangenen Monaten nahm der Ansturm auf die Grenzzäune stark zu. Hunderten Flüchtlingen gelang es, diese zu überwinden, weshalb der sieben Meter hohe Zaun in Melilla zusätzlich gesichert wurde. Das Auffanglager für Migranten in Melilla ist stark überfüllt. Spanien fordert deshalb mehr Unterstützung von den anderen EU-Ländern.

© SZ.de/AFP/tba/olkl
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