Behörden in sozialen Netzwerken:"Wir dürfen uns diesem Medium nicht verschließen"

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Künftig sei geplant, den Twitter-Account auch bei anderen Einsätzen zu nutzen. Kollegen hätten etwa beim "Rock am Ring"-Festival in der Eifel gute Erfahrungen damit gemacht. Allerdings werde man, so Kaiserslauterns Polizeisprecher Kossurok, in Rheinland-Pfalz in Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes keine personenbezogenen Fahndungen via Twitter ausschreiben. Denn dann liegen die Daten auf einem ausländischen Server, der nicht unter der Kontrolle der Polizei ist. Genau deshalb war die Polizei in Hannover kritisiert worden. Sie hatte über Facebook-Aufrufe nach Tatverdächtigen gesuch und zunächst auch einige Erfolge zu verzeichnen. Mittlerweile wurde die Fahndung über das soziale Netzwerk nach Kritik von Datenschützern aber wieder eingestellt.

Unter Netzaktivisten gibt es Kritik daran, dass die Polizei mit ihrer Twitter-Präsenz ein weiteres Instrument an die Hand bekommt, um die Deutungshoheit über umstrittene Einsätze zu erlangen und die Gegenöffentlichkeit der jeweils betroffenen Demonstranten zu schwächen. Abgesehen davon, dass gerade linke Aktivisten in der Regel sehr gut vernetzt sind und Twitter zum Teil seit Jahren nutzen, stellt sich dann allerdings die Frage, welche Breitenwirkung die polizeiliche Twitterei überhaupt hat. Selbst die Followerzahlen jener Polizei-Accounts, die schon länger in Betrieb sind, bewegen sich meist im niedrigen vierstelligen Bereich. Ohnehin gilt Twitter, im Gegensatz zu Facebook, in Deutschland als Netzwerk, das vor allem Firmen, Politiker und Medienmenschen nutzen. Wieviel (aktive) Nutzer der Kurznachrichtendienst hierzulande tatsächlich hat, ist schwer zu bestimmen.

"Wir dürfen uns diesem Medium trotzdem nicht verschließen", sagt Yvonne Hanske, Pressesprecherin bei der Polizei in Rostock, die seit knapp einem Jahr ebenfalls auf Twitter präsent ist. Dort wird über Veranstaltungen, Verkehrsbehinderungen und größere Einsätze informiert, zum Beispiel wenn ein Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wird. Auch Links zu Fahndungsaufrufen und -videos sind zu sehen. Abgerundet wird das Ganze mit nicht immer ganz ernstgemeinten "kleinen Geschichten aus dem Alltag der Polizei", wie Hanske das nennt.

"Ach, die jetzt auch hier", solche Reaktionen habe es aus dem Netz schon gegeben. Anfangs hätten die Beamten ein bisschen gebraucht, um sich auch sprachlich anzupassen, aber inzwischen hätten sie ihren Stil gefunden, ohne sich allzusehr an die Zielgruppe anzubiedern, so Hanske. "Gerade jüngere Menschen erreicht man aber über die althergebrachten Medien heute kaum noch. Und alleine auf Fahndungsplakate an der Litfaßsäule zu setzen, ist auch nicht mehr zeitgemäß", so die Polizeisprecherin.

Vielleicht muss Piraten-Politiker Christopher Lauer noch ein paar Tipps geben, vielleicht muss auch noch etwas Zeit vergehen, bis sich die polizeiliche Twitter-Kommunikation etabliert hat und Fahndungsaufrufe in der eigenen Timeline genauso normal sind wie die Nachricht über das neue Album von Radiohead oder Links zu lustigen Katzenvideos.

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