Süddeutsche Zeitung

Barack und Michelle Obama:Das neue Leben der Obamas

Was machen Barack und Michelle Obama jetzt eigentlich? Sie sind umgezogen, gehen im Dunkeln zum Sport - und wenn sie sich Kaffee holen, kommt es zum Verkehrskollaps.

Von Sacha Batthyany, Washington

Wenige Minuten nach der offiziellen Amtseinführung von Donald Trump Ende Januar stieg das Ehepaar Obama in einen Helikopter und flog in den grau-kalten Himmel über Washington. Erst verbrachten die Obamas ein paar Tage in Palm Springs, später sah man die beiden auf Fotos in Flip-Flops auf einer Karibikinsel, während zu Hause in den USA Millionen Menschen mit rosa Mützen auf die Straße gingen, gegen Trump.

Inzwischen haben die Proteste abgenommen, Donald Trump hinter dem Schreibtisch im Oval Office zu sehen wird immer alltäglicher. Und die Obamas? Was kommt, wenn man einmal der mächtigste Mann der Welt war?

"Spaß", so banal beantwortete das Magazin Vanity Fair die Frage neulich, die Amerikaner hätten ihren ehemaligen Commander-in-Chief ja noch nie so lachen gesehen, so entspannt und frei. Trumps Beliebtheitswerte rutschen in den Keller, bei dessen Vorgänger aber ist das Gegenteil der Fall. Er hat schon einen neuen Beinamen: Manche nennen ihn den "heiligen Obama". Als sich der ehemalige Präsident Ende Februar in New York einen Starbucks-Kaffee holte, brach der Verkehr zusammen und die Menschen jubelten.

Nicht wenige werden sich im liberalen Manhattan gewünscht haben, Obama möge doch zurückkommen - was natürlich ausgeschlossen ist, erst recht, seit seine Frau Michelle verkündete, sie werde sich ganz sicher nie um ein politisches Amt bemühen. Stattdessen freue sie sich auf simple Sachen wie Spaziergänge und Autofahrten übers Land.

Neulich wurde Michelle Obama abgelichtet, als sie mitten in der Hauptstadt aus einer Filiale von Soulcycle kam, einem Fitnessladen, in dem man sich im Dunkeln die Seele aus dem Leib radelt. Unter dem Foto der "verschwitzten Michelle", das in den sozialen Medien die Runde machte, stand: "Sie ist eine von uns", aber das stimmt nicht ganz.

Die Obamas haben zwar immer damit kokettiert, eine ganz normale Familie zu sein, aber sie waren es doch nie. Beiden, Michelle und Barack, wird ihr Leben lang ein Leibwächter zur Seite stehen. Wie jeder Präsident erhält Barack Obama eine Jahrespension von 205 700 Dollar, dazu kommen mehrere Hunderttausend Dollar an staatlichen Zuschüssen pro Jahr für sein Büro und seine Angestellten. Ende Februar wurde bekannt, dass sowohl Barack wie Michelle Obama Millionenverträge mit dem Buchverlag Penguin Random House unterzeichnet hätten, mit denen sie, schreibt die New York Times, "für die nächsten Jahre ausgesorgt haben", was ein kleines bisschen untertrieben ist.

Die Obamas haben reiche und berühmte Nachbarn

Barack Obama hat in seinen letzten Wochen im Amt immer wieder darauf hingewiesen, dass er gerne schreiben möchte. "Nur keine Chronik", betonte er in einem Radiointerview, er wolle niemanden langweilen, sondern seine Vision für Amerika erzählen. Obamas Sicht auf die Welt. Er ist jetzt einer von fünf lebenden Ex-Präsidenten - und mit 55 Jahren bei Weitem der jüngste. Die anderen vier in diesem exklusiven Club der Ehemaligen haben, nachdem sie das Weiße Haus verließen, unterschiedliche Wege eingeschlagen. Jimmy Carter schrieb Bücher, wurde ein (umstrittener) internationaler Vermittler und Wahlbeobachter. George H. W. Bush Senior engagierte sich in humanitären Krisen. Bill Clinton baute seine Stiftung auf, kassierte hohe Gagen für seine Reden und musste mitansehen, wie seine Frau Hillary zweimal erfolglos für das höchste politische Amt Amerikas kandidierte.

Nur um George W. Bush Junior wurde es gleich nach Ende seiner Amtszeit ruhiger. Er zog sich nach Texas zurück und begann, na ja, zu malen.

Die Obamas dagegen werden Washington treu bleiben. Zum ersten Mal nach fast hundert Jahren lässt sich wieder ein Ex-Präsident in der Hauptstadt nieder. Tochter Sasha, 15, soll hier die Schule beenden, bevor es die Familie gerüchteweise nach Kalifornien verschlägt. Sie mieten nun eine geräumige Stadtvilla (acht Schlafzimmer, neuneinhalb Badezimmer) im Tudor-Stil im Nobelvorort Kalorama, griechisch für "schöne Sicht", sie sind da Nachbarn von Ivanka Trump, die mit ihrer Familie gleich um die Ecke ein nicht minder herrschaftliches Haus bewohnt. Fragt man Anwohner Kaloramas, was sie von ihren neuen Nachbarn halten, den Obamas wie den Trumps, erntet man nichts als hochnäsige Blicke; manche laufen einfach weiter, manche verweisen auf die vielen Polizisten, die die Anwesen der berühmten und doch so ungleichen Familien bewachen. Es ist, als wäre die Frage anstößig. Ein Mann mit Hund sagt, er freue sich auf Halloween, den Tag in Amerika, an dem sich auch das gut betuchte Washingtoner Bürgertum in Zombiekostüme zwängt, von Haus zu Haus zieht und klingelt. "Ich denke, die Trumps sind gruseliger als die Obamas", sagt der Mann, aber er spreche da natürlich nur von den Masken.

Barack Obama hat öfter schon angedeutet, sich zwar rar machen zu wollen, weil er sein eigenes Gesicht im Fernsehen nicht ertrage. Aber er deutete auch an, sich politisch zurückzumelden, sollte sein Nachfolger "rote Linien" überschreiten. Er werde es nicht tolerieren, wenn er Wahlmanipulationen feststelle und nehme sich vor, einzuschreiten, falls Immigranten, die als Kinder in die USA kamen, von Trump des Landes verwiesen werden. Er bangt um sein politisches Erbe, zu Recht: Vieles von dem, was er in acht Jahren erreicht hat, soll "repariert", "geändert" oder gleich "annulliert" werden, heißt es aus Trumps Kabinett, es geht bis hin zur freien Toilettenwahl für Transgender. Dazu warf Trump ihm auch noch vor, sein Telefon angezapft zu haben, ohne jeden Beweis und im üblichen unpräsidialen Trump-Jargon.

Obama aber hielt sich bis jetzt mit Kommentaren zurück, noch sieht er seine roten Linien nicht überschritten. Und anders als Trump benutzt er sein Twitter-Konto mit Bedacht und nur für wirklich wichtige Botschaften. Einer seiner letzten Einträge: Ein Glückwunsch an seine Frau Michelle zum Valentinstag. "Beinahe 28 Jahre zusammen", schrieb Obama. "Es fühlt sich immer wieder an wie neu."

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SZ vom 11.03.2017/jana
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