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Barack und Michelle Obama:Die Obamas haben reiche und berühmte Nachbarn

Barack Obama hat in seinen letzten Wochen im Amt immer wieder darauf hingewiesen, dass er gerne schreiben möchte. "Nur keine Chronik", betonte er in einem Radiointerview, er wolle niemanden langweilen, sondern seine Vision für Amerika erzählen. Obamas Sicht auf die Welt. Er ist jetzt einer von fünf lebenden Ex-Präsidenten - und mit 55 Jahren bei Weitem der jüngste. Die anderen vier in diesem exklusiven Club der Ehemaligen haben, nachdem sie das Weiße Haus verließen, unterschiedliche Wege eingeschlagen. Jimmy Carter schrieb Bücher, wurde ein (umstrittener) internationaler Vermittler und Wahlbeobachter. George H. W. Bush Senior engagierte sich in humanitären Krisen. Bill Clinton baute seine Stiftung auf, kassierte hohe Gagen für seine Reden und musste mitansehen, wie seine Frau Hillary zweimal erfolglos für das höchste politische Amt Amerikas kandidierte.

Nur um George W. Bush Junior wurde es gleich nach Ende seiner Amtszeit ruhiger. Er zog sich nach Texas zurück und begann, na ja, zu malen.

Die Obamas dagegen werden Washington treu bleiben. Zum ersten Mal nach fast hundert Jahren lässt sich wieder ein Ex-Präsident in der Hauptstadt nieder. Tochter Sasha, 15, soll hier die Schule beenden, bevor es die Familie gerüchteweise nach Kalifornien verschlägt. Sie mieten nun eine geräumige Stadtvilla (acht Schlafzimmer, neuneinhalb Badezimmer) im Tudor-Stil im Nobelvorort Kalorama, griechisch für "schöne Sicht", sie sind da Nachbarn von Ivanka Trump, die mit ihrer Familie gleich um die Ecke ein nicht minder herrschaftliches Haus bewohnt. Fragt man Anwohner Kaloramas, was sie von ihren neuen Nachbarn halten, den Obamas wie den Trumps, erntet man nichts als hochnäsige Blicke; manche laufen einfach weiter, manche verweisen auf die vielen Polizisten, die die Anwesen der berühmten und doch so ungleichen Familien bewachen. Es ist, als wäre die Frage anstößig. Ein Mann mit Hund sagt, er freue sich auf Halloween, den Tag in Amerika, an dem sich auch das gut betuchte Washingtoner Bürgertum in Zombiekostüme zwängt, von Haus zu Haus zieht und klingelt. "Ich denke, die Trumps sind gruseliger als die Obamas", sagt der Mann, aber er spreche da natürlich nur von den Masken.

Barack Obama hat öfter schon angedeutet, sich zwar rar machen zu wollen, weil er sein eigenes Gesicht im Fernsehen nicht ertrage. Aber er deutete auch an, sich politisch zurückzumelden, sollte sein Nachfolger "rote Linien" überschreiten. Er werde es nicht tolerieren, wenn er Wahlmanipulationen feststelle und nehme sich vor, einzuschreiten, falls Immigranten, die als Kinder in die USA kamen, von Trump des Landes verwiesen werden. Er bangt um sein politisches Erbe, zu Recht: Vieles von dem, was er in acht Jahren erreicht hat, soll "repariert", "geändert" oder gleich "annulliert" werden, heißt es aus Trumps Kabinett, es geht bis hin zur freien Toilettenwahl für Transgender. Dazu warf Trump ihm auch noch vor, sein Telefon angezapft zu haben, ohne jeden Beweis und im üblichen unpräsidialen Trump-Jargon.

Obama aber hielt sich bis jetzt mit Kommentaren zurück, noch sieht er seine roten Linien nicht überschritten. Und anders als Trump benutzt er sein Twitter-Konto mit Bedacht und nur für wirklich wichtige Botschaften. Einer seiner letzten Einträge: Ein Glückwunsch an seine Frau Michelle zum Valentinstag. "Beinahe 28 Jahre zusammen", schrieb Obama. "Es fühlt sich immer wieder an wie neu."

© SZ vom 11.03.2017/jana

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