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Banküberfall von Karlsruhe:"Tschuldigung, es war nicht bös' gemeint"

Sie galten als "Gentleman-Räuber", doch das zeugte eher von Bankräuber-Romantik als von realistischer Einschätzung. Die Geschichte eines Paares, das 15 Jahre lang auf Raubzüge ging.

Es besteht kaum ein Zweifel: Bei den beiden Bankräubern, die am Freitag in Karlsruhe zu Tode gekommen sind, handelt es sich um jene lang gesuchten Profitäter, die bis dahin in einer ungewöhnlichen Serie von 20 Überfällen gut zwei Millionen Euro erbeutet hatten.

Banküberfall in Karlsruhe

Ein Überwachungsvideo zeigt die beiden mutmaßlichen Bankräuber von Karlsruhe.

(Foto: dpa)

Doch trotz langjähriger Erfahrung hatten der 40 Jahre alte Mann und seine 38-jährige Frau diesmal nicht die beste Wahl getroffen: In der Vorweihnachtszeit werden Banken stärker als sonst kontrolliert, zudem liegt die - unmittelbar vor Schalterschluss überfallene - Volksbank-Filiale am gut bewachten Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) und ist nur zwei Autominuten vom Polizeipräsidium entfernt.

Als das Räuberpaar fünf Minuten nach dem Überfall die Bank mit mehreren zehntausend Euro in der Tasche verließ, wartete bereits ein Polizeiwagen vor der Tür - alarmiert durch einen stillen Alarm, den eine Bankangestellte geistesgegenwärtig ausgelöst hatte. Als die Beamten - unsicher, ob es nicht doch ein Fehlalarm war - das Duo kontrollieren wollten, kam es zum dramatischen Schusswechsel am BGH-Zaun.

Die Bankräuber, so schildert es die Karlsruher Kriminalpolizei, hätten sofort ihre Pistolen gezogen und das Feuer eröffnet, die Beamten schossen zurück, und am Ende lag das Paar tot auf dem Asphalt. Eine Polizistin erlitt einen Oberschenkel-Durchschuss, wird aber, so hieß es, keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen. Jedenfalls war es eher ein glücklicher Zufall, dass am belebten Karlstor nahe der Fußgängerzone kein Passant zu Schaden kam; eine Kugel schlug in die Plexiglasscheibe der nahegelegenen Straßenbahnhaltestelle ein.

Schon am Freitagabend versicherte die Karlsruher Staatsanwaltschaft, die beiden Beamten, sie sind 28 Jahre alt, hätten "vorbildlich und geistesgegenwärtig" gehandelt. Und erstaunlich früh - noch vor einer Obduktion - überraschte die Polizei mit der Mitteilung, die getötete Frau habe sich mit einem Schuss in den Mund womöglich selbst gerichtet.

Die Raubserie, die bereits seit 1995 anhielt, konzentrierte sich auf den Raum Nordbaden und Südpfalz. Zunächst agierte das tschechische Ehepaar offenbar in wechselnder Besetzung mit mindestens einem weiteren männlichen Täter, seit 2004 trat es nur noch im Duo auf. Stets ließen sie die Angestellten unverletzt zurück, was wohl eher der Besonnenheit des Personals zu verdanken war.

Oft wurden die Mitarbeiter mit Handschellen oder Kabelbindern gefesselt, bevor sich die Räuber davonmachten - häufig mit dem Auto eines Angestellten, das sie einige Kilometer entfernt wieder abstellten. Einem Lehrling, der nach einem der ersten Überfälle traumatisiert zurückgeblieben war, hatten sie 1995 sogar eine Entschuldigungskarte geschickt, mit der Bemerkung: "Tschuldigung, es war nicht bös' gemeint." Was ihnen das Attribut "Gentlemen-Räuber" einbrachte - das spätestens nach der Karlsruher Schießerei wohl eher von Bankräuber-Romantik zeugt als von realistischer Einschätzung.

Aufrufe in TV-Sendungen bleiben erfolglos

Bis 1999 tarnten sich die Täter stets durch Wollmützen mit Sehschlitzen, danach gaben sie die Kostümierung auf und benutzten Perücken und Brillen. Die Phantombilder wurden von Jahr zu Jahr besser, und seit fünf Jahren sind ihre Gesichter auf den Fotos der Überwachungskameras zu erkennen - wenn auch unscharf.

Doch selbst Aufrufe in TV-Sendungen wie "Aktenzeichen XY" und eine ausgelobte Belohnung von 50.000 Euro fruchteten nicht: Das Duo raubte weiter und blieb der Region treu. Einige Banken wurden zwei, drei Mal überfallen; eine Volksbank-Filiale im Norden Karlsruhes, die erstmals im Oktober 2006 um 180.000 Euro erleichtert worden war, traf es fast auf den Tag genau ein Jahr später erneut - diesmal nahm das Duo 120.000 Euro mit.

Dass das Paar so lange unerkannt bleiben konnte, wirft die Frage auf, ob es womöglich doch anderswo lebte. Vor dem letzten Überfall hatte es sich in einem Karlsruher Hotel eingemietet.