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Bangladesch:Feuer in Textilfabrik tötet sieben Frauen

Es gab keinen Notausgang und keine Feuerlöscher: Bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind sieben Arbeiterinnen ums Leben gekommen - unter ihnen auch zwei Mädchen.

Das Feuer brach während der Mittagspause aus: Nur zwei Monate nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch ist erneut ein Betrieb in Flammen aufgegangen. Sieben Arbeiterinnen kamen ums Leben, 15 weitere wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Die betroffene Fabrik befindet sich in Mohammadpur, einem Vorort von Dhaka.

Das Institut für weltweite Arbeit und Menschenrechte teilte mit, zwei der sieben getöteten Arbeiterinnen seien Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren gewesen.

Nach Berichten der Feuerwehr sollen die meisten Opfer bei der Flucht vor dem Feuer totgetrampelt worden sein. Die Arbeiterin Laizu Begum sagte der Nachrichtenagentur AFP, beim Ausbruch des Brandes sei ein Ausgang verschlossen gewesen. Deshalb habe es an einer anderen Tür ein Gedränge gegeben. Aufgrund der verbrennenden Textilien habe sich starker Rauch gebildet. "Ich habe überlebt, weil ich ganz in der Nähe des Ausgangs saß", sagte Begum.

Fehlende Brandschutzvorrichtungen

Die Firma soll nach Angaben des Feuerwehr-Einsatzleiters Mahbubur Rahman ohne Sicherheitslizenz gearbeitet haben: Ersten Ermittlungen zufolge habe die Fabrik kein Brandschutzzertifikat gehabt. "Die Besitzer haben in einem Stockwerk Nähmaschinen aufgestellt, ohne sich um irgendwelche Sicherheitsbelange zu kümmern. Es gab keinen Notausgang und keine Löscheinrichtungen." Auslöser des Brandes könnte ein Kurzschluss gewesen sein. Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag, der Vater einer Toten habe wegen fehlender Brandschutzvorrichtungen Anzeige wegen Fahrlässigkeit gegen drei Besitzer der Fabrik erstattet.

Wäre der Brand nicht mittags ausgebrochen, wäre die Zahl der Opfer vermutlich noch höher ausgefallen: Viele Arbeiterinnen hätten das Gebäude während ihrer Pause verlassen.

Der Betrieb stellte Kleidung für europäische Unternehmen her. Ein AFP-Korrespondent fand nach dem Brand unter anderem Etiketten spanischer und französischer Modemarken. Unklar ist, ob es sich bei der Firma um einen Zulieferer für einheimische Unternehmen handelt oder ob sie direkt aus Europa beauftragt wurde. In der Einrichtung arbeiteten etwa 300 Menschen, ihr Monatslohn liegt bei umgerechnet gerade einmal 27 Euro.

Heruntergekommene Gebäude mit mangelhaften Stromleitungen

Mit etwa 4500 Textilfabriken ist Bangladesch der zweitgrößte Bekleidungshersteller der Welt. Die Branche ist der wichtigste Wirtschaftszweig des verarmten Landes. Viele Werkstätten sind in heruntergekommenen Gebäuden mit mangelhaften Stromleitungen untergebracht. Immer wieder bricht Feuer aus, seit 2006 starben bei Bränden in Bangladeschs Textilfabriken etwa 700 Menschen. Bei dem verheerenden Fabrik-Brand Ende November waren mehr als 100 Menschen gestorben.

Organisationen zum Schutz von Arbeiterrechten fordern, dass ausländische Unternehmen Reparaturen und Sanierungen von Textilfabriken in Bangladesch finanzieren. Bisher haben jedoch nur wenige Unternehmen, darunter die deutsche Kette Tschibo, entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/soli/fran

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