Fernverkehr:Bahnstrecke Berlin-Hannover mindestens zehn Tage gesperrt

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Fernverkehr: Die Bergungsarbeiten im Landkreis Gifhorn gestalten sich schwierig.

Die Bergungsarbeiten im Landkreis Gifhorn gestalten sich schwierig.

(Foto: Fernando Martinez Lopez/dpa)

Nach einer Kollision zweier Güterzüge in Niedersachsen entweicht explosives Propangas. Im Fernverkehr kommt es wohl bis 27. November oder länger zu Verspätungen und Zugausfällen.

Nach der Kollision zweier Güterzüge im niedersächsischen Landkreis Gifhorn gestalten sich die Bergungsarbeiten wegen des Austritts von explosivem Propangas schwierig. Reisende müssen im Norden Deutschlands nach Angaben der Bahn bis Monatsende mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Bis mindestens zum 27. November werde es im Fernverkehr zwischen Berlin und Hannover zu Beeinträchtigungen kommen, gab die Deutsche Bahn am Freitag bekannt. Ursprünglich waren Bahn und Bundespolizei davon ausgegangen, dass die Sperrung bis mindestens Sonntagabend anhalten werde. Reisende sollen sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindungen informieren.

Die Bergungsarbeiten sind in vollem Gange. Heute werde bereits damit begonnen, die intakt gebliebenen Waggons aus der Gefahrenzone zu ziehen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Damit werde Platz für das Bergungsgerät gewonnen. Geplant sei zudem, das explosive Propangas aus den beiden leckgeschlagenen Kesselwagen so schnell wie möglich abzupumpen - zunächst zur Hälfte, dann sollen die Waggons vorsichtig aufgerichtet werden und anschließend werde der Rest abgepumpt. Die größte Herausforderung sei es, eine "vernünftige Infrastruktur" für die Bergung zu schaffen, erklärte der Sprecher. Die Waldwege an der Unfallstelle seien aufgeweicht. Überlegt werde, die Wege komplett zu schottern. Unklar sei, wie lange die Arbeiten dauern würden. Bahnreisende müssen somit noch länger mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen.

Betroffen ist unter anderem die viel befahrene Strecke zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin. Ebenfalls betroffen sind etwa ICE-Züge aus der Schweiz über Frankfurt und Kassel nach Berlin. Die IC-Verbindungen zwischen Amsterdam und Berlin fahren nach Angaben der Bahn nur bis Hannover und starten auch dort in Gegenrichtung. Auch Züge, die von Hamm und Münster aus über Hannover bis nach Berlin fahren, sind demnach betroffen. Die Deutsche Bahn rät, sich vor Reiseantritt im Internet über die aktuelle Lage zu informieren.

Die Güterzüge zweier privater Bahnunternehmen waren am frühen Donnerstagmorgen in der Nähe von Leiferde kollidiert. Einer der Züge hatte an einem entsprechenden Signal gehalten, der zweite Zug fuhr aus zunächst ungeklärter Ursache auf. Zwei seiner 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen kippten um, zwei weitere entgleisten.

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(Foto: SZ-Grafik: jje/Mapcreator.io/OSM)

Aus zwei Wagen weicht nach Angaben der Bundespolizei das explosive Gas aus, pro Stunde etwa 250 Kilogramm. In jedem der beiden Kesselwagen seien 50 Tonnen Gas geladen. Solange immer noch Propangas entweiche, könne die Unfallstelle nicht geräumt werden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Vor der Bergung müssten die Waggons leer sein. "Jeder Funke könnte eine Katastrophe auslösen." Die Einsatzkräfte können sich der Unfallstelle wegen des gesundheitsschädlichen Gases nur mit Atemschutzgerät nähern. Für die Bevölkerung besteht jedoch offenbar keine Gefahr, weil der Ort in einem Waldstück "weit weg von der nächsten Bebauung" liegt, wie ein Feuerwehrsprecher dem NDR sagte.

Auch wenn kein Gas mehr entweiche, werden sich die Bergungsarbeiten dem Polizeisprecher zufolge schwierig gestalten. Für schweres Gerät - also etwa Kräne - müsse man zunächst einen befestigten Untergrund herstellen. Auch Oberleitungen sind beschädigt. Der Lokführer des auffahrenden Zuges kam verletzt ins Krankenhaus.

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