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Brandenburg:Polizisten schikanieren Obdachlosen und filmen dabei

Ein Handyvideo zeigt, wie zwei Polizisten einen 70 Jahre alten, obdachlosen Mann bedrängen. Jetzt wird gegen die beiden Beamten ermittelt.

Von Marija Barišić

Seit vier Jahren sei er, Torsten Herbst, nun schon Pressesprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, "ein solcher Fall ist mir bisher aber nicht untergekommen", sagt er.

Der Fall, von dem Herbst spricht, ereignet sich in der Nacht zum Sonntag, am 7. Juni, in der Stadt Bad Belzig in Brandenburg. Laut Pressemitteilung der Polizei werden dort um etwa zwei Uhr in der Früh zwei Streifenbeamte in die Niemegker Straße gerufen, in der ein obdachloser, offenbar alkoholisierter Mann Passanten bedroht haben soll. Kurz zuvor noch soll der 70 Jahre alte Mann, eine Flasche nach dem Anrufer selbst geworfen, diesen aber "weit verfehlt" haben.

Vor Ort beginnt einer der beiden Polizeibeamten den alkoholisierten Mann zu Fuß zu begleiten und dabei "augenscheinlich unangemessen zu bedrängen", wie es in der Mitteilung heißt. So drängt er den 70-Jährigen auf den Gehweg und hält ihn durch "mehrfaches Schieben" dazu an, seinen Weg zügig fortzusetzen, heißt es weiter.

Währenddessen fährt der andere Beamte im Schritttempo hinterher und filmt die Tat seines Kollegen mit seinem Handy aus dem Funkstreifenwagen heraus. Anderthalb Minuten lang dauert das Video, in dem, so die Darstellung der Polizei, die beiden Beamten sich über den obdachlosen Mann lustig machen und "amüsiert lachen ob der Szenerie". Anschließend wird das Video in eine WhatsApp-Gruppe geladen und laut Pressesprecher Herbst "schon am Sonntagfrüh um acht Uhr von einem dritten Kollegen in der örtlichen Dienststelle gemeldet."

"So kann ich mit einem Bürger nicht umgehen"

An einer Stelle des Videos ist erkennbar, dass der Beamte einen Tritt in Richtung Gesäß des Geschädigten andeutet oder dem Mann einen Tritt versetzt. Herbst, der das Video selbst gesehen haben soll, betont gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass gerade diese Stelle im Video wegen der mangelnden Straßenbeleuchtung nicht gut erkennbar sei. "Fakt ist, dass es keinen Anlass gab, in dieser herabwürdigenden Weise mit dem Geschädigten umzugehen." Dabei sei es auch "völlig egal, ob der Mann zuvor gepöbelt hat. So kann ich mit einem Bürger nicht umgehen, das geht so nicht", sagt Herbst.

Schon am Montagmorgen hat die örtliche Dienststelle ihre beiden Beamten wegen "Verdachts der Beleidigung durch herabwürdigendes und ehrverletzendes Verhalten gegenüber dem Geschädigten" angezeigt. Die Ermittlungen hat das Fachkommissariat Amtsdelikte am Landeskriminalamt Brandenburg übernommen.

Außerdem laufen nun Disziplinarverfahren gegen die beiden Beamten. Sie wurden nun bis zum Abschluss der Ermittlungen vom Dienst suspendiert. Das Ergebnis eines Disziplinarverfahrens reicht laut Herbst von einem "einfachen Verweis in der Personalakte bis hin zur tatsächlichen Entfernung aus dem Dienst."

Roland Leisegang, Bürgermeister der Stadt Bad Belzig, betont im Gespräch mit der SZ, "dass ich glücklich bin in einer Republik zu leben, in der es Institutionen gibt, die sofort reagieren, wenn in den eigenen Reihen etwas passiert." Er selbst kenne weder den betroffenen, obdachlosen Mann, noch die beiden Polizeibeamten.

© SZ/mba/olkl
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