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Illegale Autokorsos:Hochriskante Hochzeit

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Zur Hochzeit mit einem Autokorso durch die Stadt zu fahren, hat Tradition. Doch die Polizei in NRW hat ein Problem mit Autokorsos, bei denen andere Verkehrteilnehmer in Gefahr geraten.

(Foto: imago)

Sie bremsen mitten auf der Autobahn, formen mit dem Reifenabrieb "Donuts" auf die Fahrbahn. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat immer häufiger mit Hochzeits-Autokorsos zu tun, die außer Kontrolle geraten.

Dass eine Ermittlungskommission der Düsseldorfer Polizei den Namen "Donut" trägt, hat nichts mit dem süßen Gebäck zu tun, sondern mit einem gefährlichen Vorfall auf der Autobahn 3 bei Ratingen am Abend des 22. März.

Eine Zivilstreife bemerkt drei teure, mit Blumen geschmückte Sportwagen, die mit Warnblinker auf allen Fahrstreifen hin- und herwechseln und die nachfolgenden Fahrzeuge ausbremsen. Als die drei Sportwagen mitten auf der Autobahn plötzlich stehen bleiben, zieht ein Cabrio vorbei und setzt zum "Donuts driften" an, wie die Polizisten später notieren. Bei diesem Manöver schleudert das Auto mit dem Hinterreifen einen Kreisel, der Gummiabrieb der Reifen hinterlässt schwarze Spuren auf dem Asphalt, deren Form an einen Donut erinnert.

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Im geöffneten Cabrio-Verdeck steht ein Mann und fotografiert die Auto-Pirouetten, Fahrer und Mitfahrer der anderen Fahrzeuge steigen sogar aus ihren Autos und greifen zum Smartphone. Erst als die Männer die Polizei bemerken, beenden sie das Fotoshooting.

Die Männer streiten ab

Die Polizisten können einige Fahrer stoppen; manche behaupten, bereits mit "guten Anwälten" telefoniert zu haben. Der Cabrio-Beifahrer gibt an, nur der Hochzeitsfotograf zu sein, alle Männer tragen festliche Kleidung - eine Braut fehlt jedoch. Die sollte im Anschluss an die Aktion wohl abgeholt werden.

Die Männer, zwischen 25 und 32 Jahre alt und mit unterschiedlichem Migrationshintergrund, streiten ab, "etwas falsch gemacht" zu haben, geschweige denn sich zu kennen. Sieben von ihnen sind identifiziert, ermittelt wird gegen zehn Beschuldigte. Keiner der Fahrzeughalter sei an dem Vorfall beteiligt gewesen, so die Polizei; ein Auto ist auf eine Stiftung zugelassen. "Was da auf der Autobahn passiert ist, war absolut lebensgefährlich - für alle Beteiligten. Das war eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, kein Kreisverkehr im Industriegebiet", sagt Polizeisprecher Kim Freigang. Den Männern wird gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Nötigung vorgeworfen.

Hochzeitsblockade auf der A3 bei Ratingen (NRW)

Dieses Foto schossen Polizisten einer Zivilstreife auf der A3 bei Ratingen.

(Foto: Polizei NRW)

"Hochzeitsblockaden" sind in Deutschland kein neues Phänomen, in derart dreister Ausprägung wie auf der A3 aber doch selten. "Wir können Nachahmer nur ausdrücklich warnen", so Freigang, "es könnte sein, dass sie sehr lange Zeit zu Fuß gehen müssen." In Essen stoppte die Polizei eine Hochzeitsgesellschaft, die über rote Ampeln raste. Weil der Bräutigam mit auf die Wache musste, verzögerte sich die Feier. In Oer-Erkenschwick im Ruhrgebiet übte ein Teilnehmer eines Hochzeitskorsos Donuts auf einer Kreuzung.

Inzwischen ist nicht nur die Polizei alarmiert, auch der Landtag in Düsseldorf hat sich bereits mit dem Phänomen beschäftigt. Mit Tradition lässt sich das Verhalten übrigens nicht erklären. In keiner Kultur sind "Donuts" auf der Autobahn Hochzeitsbrauch. In der Türkei gibt es zwar die "Hochzeitsblockade". Dabei werden aber nur Autos der Hochzeitsgesellschaft angehalten und von Kindern symbolisch eine Art Wegzoll, meist Kleingeld, eingesammelt, dann dürfen die Autos weiterfahren.

Svenja Schirk, Hochzeitsplanerin und Pressesprecherin vom Bund deutscher Hochzeitsplaner, bemerkt unter vielen Brautpaaren sogar einen Gegentrend. "Viele Brautpaare legen keinen großen Wert mehr auf dicke Autos. Momentan werden eher VW-Bullis und ungewöhnliche Fahrzeuge nachgefragt. Wenn überhaupt Autos, dann Oldtimer."

© SZ vom 06.04.2019/mpu
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