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Auszeichnung durch Präsidenten:Ägypterin verkleidet sich 43 Jahre lang als Mann

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi überreicht Sisa Abu Daooh die Auszeichnung.

(Foto: AFP)
  • Eine verwitwete Ägypterin hat sich jahrzehntelang als Mann verkleidet, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können - dafür wurde die 64-jährige Sisa Abu Daooh nun von Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit einem Orden geehrt.
  • Die Frau nahm die mit 50 000 ägyptischen Pfund (6000 Euro) dotierte Auszeichnung als "vorbildliche, arbeitende Mutter" im Präsidentenpalast in Kairo entgegen. Dabei trug sie ihre Arbeitskleidung: ein Männergewand und einen Turban.

Sisa Abu Daooh war im sechsten Monat schwanger als ihr Mann starb. Ihre Familie drängte die junge Frau, schnellstmöglich wieder zu heiraten. Doch die junge Mutter traf eine mutige Entscheidung: Sie zog statt der Nikab den Turban an und verkleidete sich nach der Geburt ihrer Tochter als Mann, um in Luxor arbeiten und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

"Wenn eine Frau auf ihre Weiblichkeit verzichtet, ist das hart", sagte Sisa Abu Daooh, "Aber ich hätte alles für meine Tochter getan. Und es war der einzige Weg, um Geld zu verdienen. Was hätte ich denn sonst machen können? Ich kann weder lesen noch schreiben. Meine Familie hat mich nicht zur Schule geschickt. Dieser war also der einzige Weg."

So verkleidete sich Sisa Abu Dauuh

Wie es Sisa Abu Daooh gelang, 43 Jahre unentdeckt als Mann zu arbeiten? "Ich schnitt mein Haar und trug ein Männergewand, einen Turban und Männerschuhe, um eine Arbeit zu finden. Es war schwierig, als Frau etwas zu finden", sagte Sisa Abu Dauuh. Jeden Tag stand sie um 6 Uhr auf. Sie stellte Ziegelsteine her, trug Zementsäcke und arbeitete auf dem Feld. Sie aß täglich mit den anderen Arbeitern zusammen. Keiner der Männer schöpfte Verdacht. Als ihre Gesundheit dies nicht mehr zuließ, putzte sie Schuhe in den Straßen von Luxor. Es sei hart gewesen, sich die ganze Zeit als Mann auszugeben, "aber andernfalls hätten Männer mich schikaniert und am Arbeiten gehindert und vielleicht auch angegriffen", sagte die heute 64-Jährige. In 43 Jahren habe aber niemand etwas von der Verkleidung gemerkt, sagte die Frau stolz einem Bericht des Nachrichtenportals Al Arabiya zufolge. Als der Mann ihrer Tochter krank wurde, sicherte sie mit ihrer Arbeit jahrelang sogar das Überleben der gesamten Großfamilie.

6000 Euro vom Präsidenten

Für ihren Mut und ihre Engagement wurde die Ägypterin nun von Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit einem Orden geehrt - und erhielt 50 000 ägyptische Pfund (etwa 6000 Euro). Etwa ein Jahr zuvor hatte sich Sisa Abu Daooh im ägyptischen Fernsehen offenbart.

Die Auszeichnung als "vorbildliche, arbeitende Mutter" erhielt sie am Sonntag, dem ägyptischen Muttertag im Präsidenenpalast in Kairo. Dabei trug die Ägypterin ihre Arbeitskleidung: ein Männergewand und einen Turban.

Aufhören zu arbeiten will Sisa Abu Daooh nicht. Obwohl die Geldsumme von 6000 Euro für eine Frau aus dem ärmlichen Süden Ägyptens sehr viel ist, will sich die 64-Jährige nicht zur Ruhe setzen: "Ich werde in Männerkleidung arbeiten, bis ich sterbe.

© SZ.de/AFP/jana
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