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Naturkatastrophe:Schon wieder Australien

Überschwemmung in Australien 2021

Land unter am Hawkesbury River nahe Sydney.

(Foto: Lukas Coch/AFP)

Wasserfälle am Uluru: Ein Jahr nach den verheerenden Bränden versinkt der Osten Australiens im Wasser. Und das Land rätselt: Ist das noch normal? Oder doch der Klimawandel?

Von Thomas Hummel

Nördlich von Sydney können die Menschen in diesen Tagen besichtigen, wie die Bewohner flussaufwärts ihre Häuser eingerichtet hatten. Der Hawkesbury River fließt hier in den Pazifischen Ozean, derzeit treiben Kühlschränke im Wasser, Badewannen und auch Gartenmöbel. Manchmal sieht man sogar Teile der Häuser selbst in den Fluten. Von Stränden wie Newport, Collaroy oder Pittwater berichten Anwohner, die Sachen lägen überall verstreut im Sand, auch Container oder Gasflaschen. Die Wasserbehörde des südöstlichen Bundesstaates New South Wales warnt die Bootsbesitzer vor dem Treibgut, es könne zu Kollisionen kommen. Es sind die Ausläufer einer Naturkatastrophe, wie sie Australien seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Australien, schon wieder.

Vor einem Jahr gingen von der Ostküste des Kontinents Bilder von riesigen Buschbränden um die Welt. Auf die ungewöhnliche Dürre mit enormer Hitze folgte ein biblisches Feuer, 33 Menschen starben, fast 6000 Gebäude brannten nieder, mehr als eine Milliarde Tiere verkohlten. In Australien spricht man vom "Black Summer" - dem schwarzen Sommer. Auf den nun der nasse Sommer folgt. Tagelang schüttete es vor allem in New South Wales wie seit Jahrzehnten nicht. "Ich habe noch nie einen solchen Regen gesehen", sagte der Chef des Katastrophenschutzes, von einer "Jahrhundertflut" ist die Rede.

Rund um die Stadt Comboyne in der Nähe des Badeorts Port Macquarie wurden in einer Woche 935 Millimeter Niederschlag gemessen. Der Staudamm Warragamba, der die Trinkwasserversorgung Sydneys sicherstellt, quoll über, Millionen Liter Wasser ergossen sich auf die umliegenden Gebiete. Die Behörden fuhren vorsorglich eine Entsalzungsanlage am Meer hoch, falls sauberes Wasser rund um die Millionenstadt knapp werden sollte. Etwa 20 000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, zwei Männer starben in ihren Autos, nachdem diese von den Fluten erfasst worden waren.

Waterfalls tumble over the surface of Uluru in the Northern Territory, Australia

Normalerweise ist es hier extrem trocken, das Unwetter hat Wasserfälle auf den heiligen Berg Uluru gezaubert.

(Foto: Stacey MacGregor/Reuters)

Wie schon vor einem Jahr während der Brände diskutiert das Land, wie so ein extremes Wetterereignis zu deuten ist. Nun fließt sogar im eigentlich staubtrockenen Zentrum des Kontinents, am heiligen Berg Uluru, Wahrzeichen Australiens, das Wasser herunter. Ist das noch normal? Oder doch ein Bote des fortschreitenden Klimawandels?

Starke Regenfälle und auch Überflutungen sind im Osten Australiens durchaus überliefert, die Pegel standen an einigen Stellen sogar schon einige Meter höher. Das hängt mit dem Klimaphänomen La Niña zusammen, das sich etwa alle zehn Jahre im Pazifik bildet. Starke Winde führen dazu, dass warmes Oberflächenwasser Richtung Westen nach Australien und Asien geführt wird, was dort zu einer stärkeren Verdunstung und zu mehr Regen führt.

In einer ersten Analyse weist die Klimaforscherin Joëlle Gergis von der Australian National University allerdings darauf hin, dass La Niña in diesem Jahr eher schwach ausgefallen sei. "Dennoch ist es besorgniserregend, dass diese schwache La Niña Überschwemmungen verursachte, die mit den ikonischen Fluten der 1950er- und 1970er-Jahre vergleichbar sind", schreibt Gergis im Medienportal The Conversation. Die Dauer und die geografische Ausdehnung der Regenschauer seien ungewöhnlich groß gewesen. Noch sei die aktuelle La-Niña-Konstellation nicht detailliert ausgewertet, doch grundsätzlich deuteten Analysen darauf hin, "dass diese Ereignisse noch intensiver werden, wenn sich unser Planet weiter erwärmt". Bisher sei Australiens Klima seit Beginn der nationalen Aufzeichnungen im Jahr 1910 um 1,4 Grad Celsius wärmer geworden, wobei der größte Teil des Anstiegs nach dem Jahr 1970 stattgefunden habe.

Das viele Wasser brachte unterdessen Teile der australischen Tierwelt, die sonst größtenteils im Verborgenen lebt, zum Vorschein. So rieten die Behörden ab, im Wasser zu schwimmen, weil dort vermehrt Schlangen gesichtet wurden. Diese versuchten nun, ins Innere von Booten zu gelangen, um sich zu retten. Auch Spinnen bringen sich in Sicherheit und bevölkern Häuser und Gärten, unter ihnen die hochgiftige Trichternetzspinne, die vor allem rund um Sydney zu Hause ist. Die Wetterbehörden machen nun Tieren und Menschen Hoffnung, dass sich die Lage bald entspannt. Der große Regen hat sich Richtung Pazifik verzogen, das Wasser fließt langsam ab. An der Ostküste Australiens beginnt nun das Aufräumen.

© SZ/afis
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18 000 Menschen sind in und um Sydney vor den heftigen Überschwemmungen auf der Flucht. In Australien ist von einer "Jahrhundertflut" die Rede.

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