Süddeutsche Zeitung

Australien:Suche nach radioaktiver Mini-Kapsel

Lesezeit: 2 min

Sie ist kleiner als eine Zehn-Cent-Münze, aber gefährlich: Eine radioaktive Kapsel ist offenbar von einem Laster gefallen und wird nun im australischen Outback gesucht - auf einer 1400 Kilometer langen Strecke.

Experten zufolge wird sie jahrzehntelang radioaktiv strahlen, dabei ist sie nur millimetergroß: In Westaustralien läuft die Suche nach einer winzigen und ziemlich gefährlichen Kapsel auf Hochtouren. Mit Strahlen- und Metalldetektoren waren Spezialisten am Montag wieder dabei, eine 1400 Kilometer lange Strecke rund um den Great Northern Highway abzusuchen. Die radioaktive Kapsel war beim Transport von einer Mine nördlich der Bergbaustadt Newman zu einem Depot nahe der Metropole Perth offenbar von einem Lastwagen gefallen. Eine Sprecherin des Strahlenschutzes sprach im Sender 9News von einem "Jahrhundert-Ereignis".

Der britisch-australische Bergbauriese Rio Tinto, der die Gudai-Darri-Mine betreibt, entschuldigte sich für den Vorfall. "Wir nehmen diesen Vorfall sehr ernst", zitierte der australische Sender ABC den Leiter der Eisenerzabteilung von Rio Tinto. "Wir erkennen an, dass dies eindeutig sehr besorgniserregend ist."

Die radioaktiven Kapseln werden im Bergbau in Messgeräten verwendet. Rio Tinto habe einen Drittanbieter mit entsprechendem Fachwissen und Zertifizierung beauftragt, die gefährliche Kapsel sicher zu verpacken, um sie für den Transport vorzubereiten. Das Unternehmen habe auch eine eigene Untersuchung eingeleitet, um herauszufinden, wie sie verschwinden konnte.

Offenbar ging die Kapsel mit hoch radioaktivem Cäsium-137 irgendwann nach dem 12. Januar verloren. Dass sie fehlte, wurde dann am 25. Januar beim Entladen des Lastwagens bemerkt. Am Wochenende hatte das Gesundheitsministerium von Western Australia die Bevölkerung über den Vorfall informiert.

"So etwas haben wir noch nicht erlebt", sagte der Gesundheitsbeauftragte der Region. Die Container für solches Material seien eigentlich so konstruiert, dass sie robust genug seien, um die gefährliche Ladung zu sichern. Die Behörden nehmen an, dass sich durch die Vibrationen bei der Fahrt ein Bolzen gelöst habe und die Mini-Hülse durch das Bolzenloch gefallen sei. Wie sie von dort aus dem Laster gelangte, ist noch nicht geklärt.

Die Strahlung kann zu Verbrennungen der Haut führen

Die Menschen wurden aufgefordert, mindestens fünf Meter Abstand zu halten, sollten sie das silberne Gehäuse entdecken, das kleiner als eine Zehn-Cent-Münze ist. Die Strahlung könne zu Verbrennungen der Haut führen und bei längerer Exposition auch zu Krebserkrankungen, hieß es. "Das Worst-Case-Szenario ist, dass jemand die Kapsel aufhebt, sie merkwürdig findet und sie in seine Tasche steckt", zitierte die Nachrichtenagentur AAP einen Biophysiker von der University of South Australia.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich bei Kontakt mit der Kapsel ins Krankenhaus zu begeben. Falls Menschen selbst etwa mit einer Smartphone-App nach der Kapsel suchten und ungewöhnliche Strahlung feststellten, sollten sie umgehend die Notfalldienste informieren, hieß es.

Aber auch mit Detektoren werde es nicht leicht sein, sie zu finden, glaubt Dale Bailey, Professor für medizinische Bildgebung an der University of Sydney. Aus fahrenden Autos heraus werde die Suche noch schwieriger: "Die relativ geringe Strahlungsmenge aus der Quelle bedeutet, dass der Bereich relativ langsam abgetastet werden muss - und nicht bei Tempo 100."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5741670
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/dta
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.