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Australien:Krokodile im Kreuzfeuer

Frei zum Abschuss: Nachdem Salzwasser-Krokodile mehrfach Menschen angegriffen haben, will eine australische Regionalregierung nun deren Bestand dezimieren.

Wolfgang Luef

Winston Anspach ist stinksauer. "Bringen wir die Bastarde alle um", sagte er australischen Zeitungen. Er meint damit die "Salties", wie die Australier die unter Artenschutz stehenden Salzwasser-Krokodile nennen. Im Unterschied zu den "Freshies", den Süßwasser-Exemplaren, gelten sie als extrem aggressiv.

Angriffslustig: Ein australisches Salzwasser-Krokodil.

(Foto: Foto: AFP)

Vor einem Monat hat eines davon in der Nähe der Kleinstadt Darwin die 11-jährige Enkeltochter von Winston Anspach getötet. Zwei Wochen später starb ganz in der Nähe ein 20-Jähriger: Ein vier Meter langer Saltie packte ihn, als er einen Fluss durchschwimmen wollte. Ein neunjähriger Junge hatte am Ostersonntag Glück. Er überlebte einen Angriff beim Fischen: Das Tier erwischte nur seine Hand.

Menschen wie Anspach sprechen nun öffentlich aus, was viele in der Region denken. Er und seine Flinte stünden bereit, um jedes Krokodil im Umkreis von hundert Kilometern zu erschießen, sagte er.

Ganz so weit wird es wohl nicht kommen. Doch der Krokodil-Aktionsplan, den die Regionalregierung des Northern Territory am Mittwoch zur Begutachtung vorgestellt hat, sieht neben Aufklärungsprogrammen für die Bevölkerung auch harte Maßnahmen gegen die Tiere vor. So sollen etwa künftig deutlich mehr Saltie-Eier eingesammelt werden dürfen.

Frei zur Safari-Jagd

Der umstrittenste Punkt in dem 66-Seiten-Programm: Die Regierung will einige ausgewachsene Exemplare für die Safari freigeben. Naturschützer protestieren dagegen. Nach jahrzehntelanger kommerzieller Jagd waren die Salties im Northern Territory in den frühen Siebzigern fast ausgestorben - es gab noch 3000 davon. Heute schätzt man ihre Zahl auf 75.000. Und es werden mehr.

Das Interesse an dem Thema ist größer denn je: Der Aufruf der Regierung an die Bürger, den Aktionsplan im Internet zu lesen und sich dazu per E-Mail zu äußern, dürfte auf große Resonanz stoßen.

Damit er in Kraft treten kann, muss auch die australische Regierung in Canberra zustimmen - Naturschützer hoffen, dass Umweltminister Peter Garrett die Safari-Jagd nicht gestattet. Eine der vorgeschlagenen Maßnahmen würde auch Winston Anspach gefallen: Die Gegend um Darwin soll zur "Null-Toleranz-Zone" erklärt werden. Die Behörden dürften jedes Krokodil töten, das sich im Umkreis von 50 Kilometern um die Stadt aufhält.

© SZ vom 16.04.2009/hai
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