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Australien:Im Qualm verschwunden

Die Millionenstadt im Südosten Australiens ist eingehüllt von Rauchschwaden, seit Wochen schon, weil draußen im Hinterland der Wald brennt wie nie zuvor. In diesen Tagen ist es besonders schlimm.

Touristen mit Atemmaske vor dem Opernhaus in Sydney.

(Foto: AFP)

Tausende müssen ihre Arbeitsstellen verlassen, weil die Luft so schlecht ist. Schulen behalten die Kinder und Jugendlichen in den Pausen im Gebäude. Die Fähren am Hafen tröten mit Nebelhörnern über das Wasser, später dann wird der Verkehr wegen schlechter Sicht eingestellt. Und mehr als 500-mal ist am Dienstag in Sydney ein Feueralarm losgegangen, obwohl es in dem jeweiligen Haus gar nicht gebrannt hat - so ist es in lokalen Medien zu lesen.

Die Millionenstadt im Südosten Australiens ist eingehüllt von Rauchschwaden, seit Wochen schon, weil draußen im Hinterland der Wald brennt wie nie zuvor. In diesen Tagen ist es wieder besonders schlimm.

Gesundheit in Gefahr

"Der Rauch ist extrem, wir messen die schlechtesten Werte für Luftqualität, die wir je erlebt haben", teilte Richard Broome mit, stellvertretender Direktor im Gesundheitsministerium des Bundesstaates New South Wales. Der ultrafeine Feinstaub (PM 2,5) erreichte einen Wert von mehr als 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter, der europäische Jahresmittel-Grenzwert liegt bei 25. Atemwege und das Herz-Kreislauf-System können bei solch hohen Konzentrationen leiden, inzwischen klagen nicht nur Asthmatiker und ältere Menschen über Kopfschmerzen oder Schlafstörungen.

Buschbrände nahe Sydney

Eine Stadt verschwindet im Qualm

Die Feuersaison in Australien begann in diesem Jahr sehr früh, und weil es schon lange nicht mehr geregnet hat, brennt der sogenannte Busch teils lichterloh. Die Freiwillige Feuerwehr in New South Wales zählt schon jetzt 724 zerstörte Wohnhäuser, dreimal mehr als im bislang schlimmsten Feuersommer 1993/94. 2,7 Millionen Hektar Land sind abgebrannt, eine Fläche, halb so groß wie die Schweiz. Mehr als 2000 Feuerwehrleute sind im Einsatz, viele von ihnen unbezahlt und zunehmend erschöpft.

Matt Kean, Umweltminister von New South Wales, erklärte: "Wir befinden uns mitten in der schlimmsten Dürreperiode seit Menschengedenken, dies ist das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen." Und fügte an: "Das ist der Klimawandel." Damit bricht der konservative Politiker mit der Linie seiner Liberalen Partei, die Zweifel an der Klimakrise und deren Auswirkungen sät.

Der Premier rät: beten

Premierminister Scott Morrison gewann mit dieser Haltung im Mai überraschend die Parlamentswahl. Seine Regierung setzt auf die Ausbeutung von Bodenschätzen, vor allem Kohle. Australien ist einer der größten Kohle-Exporteure der Welt und im Begriff, auch einer der größten Treibhausgas-Produzenten zu werden. Den unter der Dürre leidenden Landwirten riet der Premier kürzlich, für Regen zu beten.

Gegen Morrisons Politik regt sich zunehmend Widerstand: Im Dunst von Sydney protestierten am Mittwoch 20 000 Menschen. Eine Organisatorin der Gruppe Uni Students for Climate Change sagte: "Der Staat ist wütend, Sydney ist wütend."

Im Lauf der Woche soll es ein wenig abkühlen, Sydney hofft, dass Wind den beißenden Rauch vertreibt. Doch der Wind dürfte auch die Feuer im Umland weiter anfachen.