Australien:Britische Touristen nach Pinguin-Entführung zu Geldstrafe verurteilt

Zwei junge Briten steigen im Australien-Urlaub volltrunken in einen Zoo ein. Dort schwimmen sie mit Delfinen, statten den Haien einen Besuch ab - und entwenden Pinguin "Dirk". Ein Rausch mit juristischem Nachspiel.

Zwei Kumpels auf Reisen wachen nach einer durchzechten Nacht in ihrem Appartement auf - in Gesellschaft eines Wildtieres. Was klingt wie eine Szene aus dem Kinostreifen Hangover (2009), hat sich im australischen Brisbane tatsächlich so zugetragen. Nur dass die zwei jungen Briten keinen wütenden Tiger in ihrer Unterkunft vorfanden, sondern, wie die Zeitung The Australian berichtet, einen verängstigten Pinguin.

Für die Urlauber blieb es im Gegensatz zu den Darstellern im Film nicht bei einem Kater: Weil sie das Tier aus einem Tierpark entwendet hatten, mussten sich die beiden jungen Männer jetzt vor einem australischen Gericht verantworten. Angeklagt waren der 21-jährige Rhys Owen Jones und sein ein Jahr jüngerer Kumpan Keri Mules wegen unerlaubten Betretens eines Grundstücks, Diebstahls und der Haltung eines geschützten Tieres.

Zugetragen hatte sich der am Mittwoch in Brisbane verhandelte Zwischenfall bereits Mitte vergangenen Monats: Am 14. April besuchten Jones, ein ehemaliges Mitglied der königlichen Marine, und Mules, seines Zeichens Maurer, gemeinsam mit einem 19-jährigen Australier eine Strandparty an der Gold Coast. Nach dem Konsum von anderthalb Litern Wodka entschloss sich das Trio dann zu einem Besuch im nahegelegenen Tierpark "Sea World".

Besuch in der Hai-Anlage

Nachdem sie das Gelände unerlaubterweise betreten hatten, verhielten sich die Männer zunächst wie ganz normale Besucher: Sie schwammen mit den Delfinen des Parks. Anschließend zogen die Eindringlinge weiter zu den Haien. Die Gefährlichkeit dieser Sea-World-Bewohner war den Betrunkenen aber offenbar trotz ihres Zustandes bewusst: Sie verzichteten auf eine gemeinsame Schwimm-Einheit und versprühten stattdessen den Inhalt eines Handfeuerlöschers in der Anlage der Meeresräuber.

Ihre Aktionen hielten die Männer mit ihren Handykameras fest. Es blieb jedoch nicht bei diesem filmischen Erinnerungsstück an den Ausflug: Das Trio entführte zusätzlich Zwergpinguin "Dirk" aus dem Zoo. Die Erkenntnis, dass ein Appartement kaum der richtige Ort für einen Seevogel ist, kam dann mit einsetzender Nüchternheit. In der Dusche versuchten die Männer, ihren tierischen Gast feucht und kühl zu halten, außerdem fütterten sie ihn mit Brot. Schließlich setzten sie den Pinguin an der Küste aus.

In den vorgelagerten Gewässern hätte Dirk leicht zum Opfer eines Hais werden können, berichtet The Australian, doch so weit kam es glücklicherweise nicht. Der Pinguin wurde gefunden und unversehrt mit seiner Partnerin "Peaches" wiedervereint. Auch Jones und Mules, die sich vor Gericht geständig und einsichtig zeigten, kamen vergleichsweise glimpflich davon: Als Strafe für ihre Trunkenheitstaten müssen die beiden Briten jeweils 1000 australische Dollar (etwa 780 Euro) zahlen.

Vielleicht auch Dank ihres Anwalts, der nicht nur die Bemühungen seiner Mandanten hervorhob, Dirk angemessen zu versorgen - sondern Medienberichten zufolge vor Gericht auch eine Pinguin-Krawatte trug.

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