Ausgefallenes Diebesgut Wer klaut 106 Dixi-Klos?

Wer klaut mehr als hundert Mobile Toiletten-Häuschen?

(Foto: Sonja Marzoner)

In Düsseldorf stehlen Diebe mehr als 100 mobile Klohäuschen, in Texas entwedet ein Trio einen Hai, in Triest zapft ein Deutscher Meerwasser aus der Adria ab. Sechs vollkommen abstruse Diebeszüge.

Von Carolin Gißibl, Oliver Klasen und Magdalena Pulz

Klar, man kann super Wortwitze machen über die Tat der zwei Kleinkriminellen, die an diesem Dienstag vor dem Amtsgericht in Düsseldorf zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden. 106 mobile Toilettenhäuschen, im Volksmund oft "Dixi-Klos" genannt, sollen sie vom Gelände einer Recycling- und Entsorgungsfirma gestohlen haben. Ein "Geschäft mit dem Geschäft" könnte man sagen oder auch: Dieser Coup war ein Griff ins Klo.

Zehn beziehungsweise sechs Monate auf Bewährung, so hoch fiel die Strafe für die beiden 40 und 28 Jahre alten, geständigen Täter aus. Sie waren Angestellte der Firma, von deren Grundstück die Toilettenhäuschen verschwunden waren. Sie haben also ihren Arbeitgeber bestohlen. Ein Exemplar einer solchen Toilette kostet 650 Euro, so entstand ein Schaden von insgesamt 70 000 Euro.

Doch wie um alles in der Welt findet man einen Abnehmer für gestohlene Plastik-Klohäuschen? Gibt es dafür einen Schwarzmarkt?

Offenbar ja. Es war ein Auftragsdiebstahl. Die Ermittlungen ergaben, dass die beiden Männer die mobilen Toiletten über einen Zwischenhändler an eine Firma in den Niederlanden verkauft hatten. Der Käufer hatte das Diebesgut später auf dem Düsseldorfer Firmengelände sogar selbst besichtigt. Anschließend ließ er die mobilen Klos über einen Zeitraum von zwei Monaten nach und nach abholen.

Die Entsorgungsfirma hatte ein großes Lager für die mobilen Toiletten angelegt, die zum Beispiel auf Musikfestivals oder auf Baustellen zum Einsatz kommen. Wohl deshalb fiel das Fehlen der Klohäuschen erst einige Monate später auf. Ein Foto, das die gestohlenen Toiletten zeigte, überführte die Täter: Der Chef der Düsseldorfer Firma entdeckte es im Internet.

Der Klo-Klau von Düsseldorf ist nicht der einzige Fall mit ungewöhnlichem Diebesgut. Einige kuriose Meldungen aus den vergangenen Jahren:

Meer geht nicht

Im täglichen Tumult am Hafen der norditalienischen Stadt Triest fällt es kaum auf: Es ist ein sonniger Oktobertag, als der Lkw am Hafensteg parkt. Ein Deutscher steigt aus, legt einen Schlauch in die Adria und füllt eine Zisterne nach der anderen ab - so, als wäre es das Normalste auf der Welt. Mit 24 000 Litern Meerwasser auf der Ladefläche will er zurückfahren. Das Wasser ist für ein Aquariengeschäft in Bayern gedacht. Doch der Mann kommt nicht weit. Die italienische Polizei stoppt den 48-Jährigen, nachdem ein Bewohner ihn beim Abpumpen beobachtet hat.

Die Carabinieri sind sich am Anfang unsicher, ob das, was der Deutsche getan hat, überhaupt verboten ist. Sie erkundigen sich bei der zuständigen Hafenmeisterei. Die lässt wissen: Wer an Italiens Küsten ohne Genehmigung Sand, Algen oder Wasser entwendet, muss mit einer Strafe rechnen. In diesem Fall lautet diese: 1549 Euro Bußgeld - und die unverzügliche Rückführung des Wassers.

Das ist doch Kappes

Der Pressebericht der Polizeidirektion Itzehoe, in Schleswig-Holstein, vermerkt am 12. Oktober 2016 folgende Diebstahlsmeldung: Nahe des Örtchens Karolinenkoog habe eine unbekannte Person am vorhergehenden Montag gegen 18.10 Uhr mit einem Fahrzeug an einem Feld gehalten, den Kofferraum geöffnet und "ungehemmt mehrere Köpfe Weißkohl" eingeladen.

Die Beamten beschreiben in ihrem kurzen Text nicht nur den Tathergang, sondern gaben den Lesern auch eine Weisheit mit auf den Weg: "Auch wenn der erntereife Kohlkopf auf einem Feld zur Mitnahme verleitet, so ist eine solche nicht erlaubt!"

Kohldiebstahl indes scheint über Generationen hinweg ein verbreitetes Delikt zu sein. Bereits das "Archiv für das Zivil- und Kriminalrecht der Königlichen-Preußischen Rheinprovinzen" von 1831 vermerkt auf Seite 60 eine Tat, mit der damals der Oberprokurator zu Kleve befasst war. "Der 25-jährige Tagelöhner Heinrich Sar" und seine Ehefrau Mechtild seien beschuldigt, "eine Quantität Kohlköpfe gestohlen zu haben." Die Strafe lautete: 23 Silbergroschen und einen Monat Gefängnis.

Mit allen Wassern gewaschen

Dieser Fall trug sich erst vergangenen Sonntag zu. Tatort: Ein Haus in Borkow, Mecklenburg-Vorpommern, das gerade umgebaut wurde. Gestohlene Gegenstände: mehrere Badezimmer-Armaturen und eine komplette Heizungsanlage. Wert: fast 30 000 Euro. Es war also qualitativ gute Ware, die dort abhanden kam.

Die Täter hatten die Eingangstür aufgebrochen und die noch nicht verbaute Sanitärtechnik mitgenommen. Die Polizei nimmt an, dass die Täter genau wussten, dass die Gegenstände dort gelagert waren. Es gibt aber auch immer wieder Fälle, in denen sich Einbrecher die Mühe machen, die Armaturen zu demontieren, vermutlich wegen ihres Metallwertes. Dieses Jahr im August zum Beispiel, nahe Düsseldorf. Dort drehten die Diebe die Wasserversorgung in einem leerstehenden Haus ab und demontierten fachmännisch sämtliche Hähne. Oder, August 2015, ein Mehrfamilienhaus in Hemer im Sauerland. Dort glänzten die neu eingebauten Duscharmaturen noch, als die Diebe in der Nacht kamen und sie mitgehen ließen.

Raubfisch geraubt

Bilder aus der Überwachunsgkamera überführen die Hai-Diebe im einem Aquarium in Texas.

(Foto: Leon Valley Police Department)

Ende Juli dieses Jahres. Das San Antonio Aquarium in Texas ist gut besucht. Pärchen schlendern durch die Räume, eine Frau schaukelt ein Baby auf der Schulter. Inmitten dieser friedlichen Szenen kommt es zu einer Straftat, dokumentiert von einer Überwachungskamera.

Ein Mann greift beherzt in eines der Becken. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn es ist der "Interactive Shark Touch Pool", man darf die Tiere also streicheln. Der Mann jedoch ist nicht auf Zärtlichkeiten aus, sondern zieht den etwa 45 Zentimeter langen Hornhai heraus und nimmt ihn mit. Ein zweiter Mann packt den Hai in einen Eimer, verfrachtet diesen in einen Kinderwagen und schlendert davon.

Klingt ungewöhnlich, doch Zoos und Tierparks werden immer wieder Ziel von Räubern. 2015 wurden etwa aus dem Dortmunder Zoo innerhalb weniger Wochen drei Zwergseidenäffchen, zwei Zwergaguti und zwei Pinguine gestohlen. Aber auch weniger exotische Tiere sind vor Dieben nicht sicher: In Mecklenburg-Vorpommern wurde dieses Jahr im September eine Herde Schafe von einer Weide gestohlen. 150 Tiere waren es, jedes von ihnen 150 Euro wert, macht zusammen einen Schaden von 22 500 Euro.

Dabei geht es bei Tierdiebstählen nicht immer nur ums Geld: Miss Helen etwa, der geraubte Hornhai aus Texas, ereilte sein Schicksal nur, weil dem Räuber zuvor ein Hornhai aus eigenem Besitz verstorben war. Helen kam schnell zurück in ihr Aquarium. Die Täter konnten mithilfe der Überwachungsvideos gefasst werden.

Schwere Beute

Ihr Fluchtfahrzeug war nicht schneller als 55 Kilometer pro Stunde und so tuckerten die Diebe tagelang quer durch Deutschland. Von einer Stuttgarter Baustelle hatten sie im März dieses Jahres einen 48 Tonnen schweren Autokran im Wert von 200 000 Euro gestohlen. Während der Flucht gingen mehrere Hinweise bei der Polizei ein - dennoch gelang den Tätern die Flucht - samt Riesenkran. Erst im Hafen der ägyptischen Stadt Alexandria wurde das rote Baustellenfahrzeug von Ermittlern entdeckt - umlackiert und mit neuen Kennzeichen. Im Juni dann der nächste Kran-Klau in Deutschland: Ein Hebekran aus Düsseldorf, 55 Tonnen schwer, 600 000 Euro teuer. Verbleib: bisher unbekannt.

Diebstähle auf Baustellen häufen sich in den vergangenen Jahren, auch wenn das Beutegut nicht immer gleich auf einen anderen Kontinent transportiert wird. Im mecklenburgischen Vellahn ist vergangene Woche eine Estrichpumpe von einer Baustelle geklaut worden. Der Inhaber hatte allerdings einen GPS-Sender eingebaut. So konnte die Polizei nicht nur den Dieb im Nachbardorf ausfindig machen, sondern fand in seinem Schuppen eine weitere gestohlene Baumaschine, die demselben Besitzer gehörte.

Um zu verhinden, dass nachts auf ihrer Baustelle geklaut wird, treffen viele Firmen inzwischen Vorkehrungen. Sie sichern ihre Maschinen, bringen sie an einen vermeintlich sicheren Ort, hängen sie in die Luft. Dort baumeln sie dann - nun ja - an der Kette eines Krans.