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Aurora-Attentäter James Holmes:Behörden prüfen Sexkontakt-Profil

Als die Nachbarin vor seiner Tür stand, saß Holmes längst in der Batman-Premiere im zehn Minuten entfernt liegenden Kinokomplex Century 16. Seine künstliche rote Haarfarbe, die an den Batman-Gegenspieler Joker erinnert und von der Polizeibeamte berichten, irritierte zunächst niemanden - auch andere Kinobesucher hatten sich verkleidet. Nach wenigen Minuten, so berichten Augenzeugen, habe sich Holmes aus dem Saal geschlichen.

Polizisten in der Nähe des Appartments von James Holmes: Der mutmaßliche Attentäter hat Sprengfallen in seiner Wohnung installiert.

(Foto: AP)

Wenig später kam er nach Polizeiangaben über einen Notausgang zurück in den Saal. Ausgestattet mit Helm, Gasmaske, kugelsicherer Schutzweste und mehreren Schusswaffen. Nachdem er eine Tränengas- oder Rauchgranate geworfen hatte, begann er, schweigend ins schreiende und flüchtende Publikum zu schießen.

Als Holmes sich später auf einem Parkplatz widerstandslos festnehmen ließ, soll er nach Angaben des mit der Angelegenheit vertrauten New Yorker Polizeichefs schlicht "ich bin der Joker" gesagt und auf den Sprengstoff in seiner Wohnung hingewiesen haben.

Waffen über zwei Monate hinweg erstanden

Inzwischen schweigt der Verdächtige, neue Indizien erhoffen sich die Ermittler von der Durchsuchung seiner Wohnung, allerdings müssen zunächst im Laufe des Wochenendes Roboter die angebrachten, nach Polizeiangaben "ziemlich ausgeklügelten" Sprengladungen entschärfen.

Dass es sich um eine länger geplante Tat handelt, bezweifelt niemand: Holmes hat Waffen und Munition über zwei Monate hinweg bei drei verschiedenen Waffengeschäften legal erstanden. Nach dem Massaker 1999 im nur 30 Minuten entfernt liegenden Columbine hatte der Bundesstaat Colorado die Waffengesetze nur leicht verschärft. Wer nicht nachweislich psychisch krank, vorbestraft ist oder ein gerichtsfester Stalker ist, hat das Recht, eine Waffe zu kaufen.

Sex-Profil unter "Classicjimbo"?

Weitere Hinweise zum Motiv könnten mögliche Spuren im Internet geben - doch Holmes hat, ungewöhnlich für sein Alter, offenbar kein Profil bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter - oder er hat diese gelöscht.

Oder finden sich im Netz doch Spuren? Die Behörden prüfen derzeit ein Profil auf der Sexkontakt-Börse Adult FriendFinder, das am 5. Juli angelegt wurde. Dort ist ein Nutzer mit Namen "Classicjimbo" zu sehen, der deutliche Ähnlichkeit mit Holmes aufweist.

Der Mann auf dem Foto trägt rotgefärbte Haare, der Blick ist weit weniger freundlich als auf dem Bild des lächelnden jungen Studenten, das bislang kursierte. Als Motto hat "Classicjimbo" nur einen Satz angegeben: "Wirst Du mich im Gefängnis besuchen?"