Aum-Sekte und der Anschlag auf Tokios U-Bahn:Todesstrafe für Giftmischer bestätigt

Als Veterinär hatte er maßgeblich an der Vorbereitung des Giftanschlags auf die Tokioter Metro mitgewirkt, nun hat das Oberste Gericht in Japan die Todesstrafe für Seiichi Endo bestätigt. Damit geht eine 16 Jahre währende Reihe von Prozessen gegen Mitglieder der Aum-Sekte zu Ende.

Christoph Neidhart, Tokio

Japans Oberstes Gericht hat am Montag die 16 Jahre dauernde Kette von Gerichtsverfahren gegen die Aum-Shinrikyo-Sekte abgeschlossen. Die pseudoreligiöse Terrorgruppe verübte am 20. März 1995 einen Giftgasanschlag in der Tokioter Metro, bei dem 13 Menschen ums Leben kamen. 54 wurden schwer verletzt, viele von ihnen trugen bleibende Schäden davon. Von den 6000 leichter verletzten Menschen litten fast 1000 einige Zeit an Sehstörungen.

Aum-Sekte und der Anschlag auf Tokios U-Bahn: Bei einem schweren Giftgasanschlag auf die Metro von Tokio wurden im März 1995 dreizehn Menschen getötet und 54 schwer verletzt, viele von ihnen trugen bleibende Schäden davon. Von den 6000 leichter verletzten Menschen litten fast 1000 einige Zeit an Sehstörungen.

Bei einem schweren Giftgasanschlag auf die Metro von Tokio wurden im März 1995 dreizehn Menschen getötet und 54 schwer verletzt, viele von ihnen trugen bleibende Schäden davon. Von den 6000 leichter verletzten Menschen litten fast 1000 einige Zeit an Sehstörungen.

(Foto: AFP)

Das Oberste Gericht wies nun den Berufungsantrag des Sektenmitglieds Seiichi Endo gegen das Todesurteil zurück. Damit sind 13 Mitglieder der Sekte rechtskräftig zum Tode verurteilt. Japan vollstreckt seine Todesurteile durch den Strang oft erst nach Jahren. Insgesamt waren 189 Sektenmitglieder angeklagt, die meisten sind verurteilt worden.

Die Attacke mit dem von den Nazis entwickelten Sarin-Gas im Tokioter Berufsverkehr war nicht der erste Giftanschlag dieser Art. Ein Jahr zuvor hatte die Sekte in der Stadt Matsumoto acht Menschen mit Sarin getötet und 200 verletzt, und sie hatte über mehrere Jahre Menschen ermordet und entführt.

Begründer des Aum-Kults, der eine eklektizistische Mischung aus Yoga, Buddhismus, Hinduismus und Christentum praktiziert, war Chizuo Matsumoto, der sich Shoko Asahara nannte. Der fast blinde frühere Yogalehrer bezeichnete sich auch als "Christus" und als "Lamm Gottes". Sein Todesurteil wurde bereits 2006 rechtskräftig. Nach eigenen Angaben hatte die Sekte 1995 in Japan fast 10.000 Anhänger, weltweit sogar 40.000, viele in Russland. Zu ihrer konfusen Ideologie gehörte auch Antisemitismus. Asahara hatte außerdem für 1997 den Weltuntergang vorhergesagt.

Viele Sektenmitglieder lebten in völliger Isolation in einem Hochsicherheits-Kloster am Fuß des Mount Fuji. Nach den Anschlägen in Tokio wurde dieses von der Polizei durchsucht. Dabei fand sie Beweise, dass die Aum-Sekte auch mit Maschinengewehren und biologischen Waffen experimentiert hatte, etwa mit dem Ebolavirus.

Die Aum-Sekte existiert weiter. Die japanische Regierung beziffert die Anzahl ihrer Mitglieder heute auf 1650. Der heute 51-jährige Seiichi Endo, dessen Todesurteil das Oberste Gericht am Montag bestätigte, war als studierter Veterinär wesentlich an der Planung der Terrorangriffe in Matsumoto und gegen die Tokioter Metro beteiligt. Dem Schriftsteller Haruki Murakami diente der innere Totalitarismus der Aum-Organisation als Modell für die Sekte, die er in seinem Roman 1Q84 entwirft. Er betont allerdings, der Sektenführer im Roman habe keine Gemeinsamkeiten mit Asahara.

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