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Aufregung um Teletubbies:Tinky-Winky ist doch nicht schwul

Die ultrakatholische Kinderbeauftragte der polnischen Regierung präsentierte nun ihren Abschlussbericht. Die violette Figur mit Handtasche ist wohl entgegen des Anfangsverdachts doch nicht homosexuell.

Thomas Urban

Die polnischen Kinder können aufatmen. Die Teletubbies sind entgegen einem amtlich geäußerten Anfangsverdacht offenbar doch nicht schwul. Dies räumte die Kinderbeauftragte der polnischen Regierung Ewa Sowinska ein, die der ultrakatholischen Liga der Polnischen Familie angehört.

In einem Anfang der Woche erschienenen Interview hatte sie noch erklärt, es müsse überprüft werden, ob in dieser Fernsehserie für Kleinkinder nicht "unzulässige sexuelle Inhalte" propagiert würden.

Mit diesem Satz erregte Sowinska nicht nur in Polen Aufsehen. Denn zur Begründung hatte sie angeführt, sie habe erfahren, dass die violette Figur Tinky-Winky ein Junge sein solle, aber immer eine Handtasche trage.

Doch nachdem Sowinska sogar aus den Reihen der nationalkonservativen Regierung unter Beschuss geraten war, machte sie einen Rückzieher: "Ein bedeutender Sexualwissenschaftler hat schädliche Auswirkungen der Fernsehserie auf Kinderseelen ausgeschlossen."

Und ihr Parteichef Roman Giertych, der als Erziehungsminister in der "Propagierung von Homosexualität" eine große Gefahr für Polens Jugend sieht, ließ sich eine besondere Demutsgeste einfallen: Er trat mit einem Tinky-Winky in einer politischen Talkshow auf und streichelte ihn live.

Das Problem ist damit aber nach Meinung der liberalen und linken Opposition längst nicht gelöst. Es gehe nicht um die Teletubbies, sondern um die Idee in den Köpfen der Nationalkatholiken, dass Homosexualität eine Art Krankheit sei, an der man sich anstecken könne. In der Tat gehört der Begriff "Homosexuellen-Propaganda" zum Standardvokabular nicht nur Giertychs, sondern auch der Kaczynski-Zwillinge, der beiden starken Männer an der Weichsel.

Diese haben keinen Einspruch gegen die Anweisung Giertychs an die Schulleiter erhoben, in Zukunft keine Vertreter von Homosexuellenverbänden mehr an Schulen auftreten zu lassen.

Kinderbeauftragte Sowinska und Erziehungsminister Giertych werden nun mit Anfragen aus dem Oppositionslager überschwemmt. Die Sexualexperten der Regierung sollten doch bitte auch untersuchen, ob es nicht Kinderseelen schaden könne, was die sieben Zwerge so getrieben hätten, bevor Schneewittchen bei ihnen aufgetaucht sei.

Es stelle sich auch die Frage, ob die sehr innige Freundschaft zwischen Bolek und Lolek, den beiden berühmten polnischen Zeichentrickfiguren, nicht unterschwellig gefährliche Botschaften transportiere, die dem Gesetz der Natur zuwiderliefen.

© SZ vom 1.6.2007
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