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Aufregung um das "Traumschiff":MS Deutschland soll unter maltesischer Flagge fahren

Die "MS Deutschland" ist das Traumschiff - doch die schwarz-rot-goldene Flagge am Heck des Dampfers soll bald Vergangenheit sein. Die Reederei erwägt, das Kreuzfahrtschiff unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Kritik an diesem Plan kommt von allen Seiten - sogar die Bundesregierung mischt sich nun ein.

Das "Traumschiff" gehört zu Weihnachten und Neujahr wie die Geschenke unter den Christbaum. Die MS Deutschland, seit 1999 "Hauptdarstellerin" der ältesten deutschen Fernsehserie, ist das letzte seegängige Kreuzfahrtschiff, an dessen Heck noch eine deutsche Flagge im Wind weht. Doch künftig will die Reederei Peter Deilmann das 175 Meter lange und 23 Meter breite Schiff unter der Flagge Maltas fahren lassen - um Kosten zu sparen.

Bundesregierung warnt vor Ausflaggen des ZDF-´Traumschiffs"

Die MS Deutschland soll ausgeflaggt werden - deshalb beschäftigt sich nun sogar die Bundesregierung mit dem "Traumschiff".

(Foto: Jens Ressing/dpa)

Die Pläne zur Ausflaggung haben Kritik von allen Seiten hervorgerufen - sogar die Bundesregierung schaltete sich ein: So warnte der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto: "Ich nehme die Ankündigung der Reederei Deilmann, die MS Deutschland auszuflaggen, mit Besorgnis zu Kenntnis. Die Verlagerung der MS Deutschland in das Schiffsregister Maltas hat weit mehr Auswirkungen als das Auswechseln der deutschen Fahne am Achterdeck durch die maltesische", erklärte Otto. Insbesondere für die Besatzung der Deutschland wäre dieser Flaggenwechsel mit erheblichen Änderungen rechtlicher und finanzieller Art verbunden.

Auch die Gewerkschaft Verdi hat mit Empörung auf die mögliche Ausflaggung reagiert. "Wir sind entsetzt und die Besatzung ist sauer", sagte der Verdi-Fachgruppenleiter Seeschifffahrt, Karl-Heinz Biesold. "Die MS Deutschland ist das letzte seegängige Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge - das hat Symbolcharakter." Es gebe keinen Grund, das Schiff auszuflaggen. "Man will auf dem Rücken der Besatzung Geld einsparen", sagte Biesold.

Die Reederei biete der Besatzung an, den Bruttolohn komplett auszuzahlen, dafür müssten sich die Seeleute selbst sozialversichern. "Als Reederei mache ich ein Plus. Ich brauch diese Sozialkosten gegebenenfalls nicht mehr zu tragen, weil Malta das zum Beispiel nicht abverlangt von den Reedern und der Seemann trägt alles allein und ist am Ende der Benachteiligte."

Außerdem wolle die Reederei auch Kosten sparen, indem sie unter fremder Flagge die deutsche Schiffsbesatzungsordnung und deutsche Tarifverträge umgehe. Biesold warf der Reederei vor, laufende Tarifverhandlungen mit der Ausflaggung zu unterlaufen. "Wir verlangen, dass die Reederei sich mit uns an einen Tisch setzt." Die Besatzung weigere sich unisono, einen "La-Valletta-Vertrag" zu unterschreiben. Der Gewerkschafter kritisierte, dass steuerliche Vorteile für deutsche Reedereien bislang unter fremder Flagge erhalten blieben.

Die Reederei Peter Deilmann hatte im Mai mitgeteilt, sie überlege, das "Traumschiff" künftig unter der Flagge Maltas fahren zu lassen. Begründet hatte die Reederei das unter anderem mit der Kürzung von Zuschüssen für deutsche Schiffe aus Berlin. "Der Gesetzgeber hat leider in den letzten Monaten endgültig entschieden, Finanzmittel, die früher die erheblichen Kostennachteile eines im deutschen Schiffsregister geführten Schiffes zumindest teilweise ausgeglichen und damit die Chancengleichheit auf dem Markt gesichert haben, um mehr als 80 Prozent zu kürzen", hatte die Reederei damals geschrieben.

Auch auf politischer Ebene habe keine zufriedenstellende Lösung erarbeitet werden können. Die Reederei sei zu dem Schluss gekommen, dass eine Veränderung des Schiffsregisters für alle Beteiligten die sinnvollste Lösung darstellt.

Otto wies diese Darstellung jetzt entschieden zurück: "Die Bundesregierung steht zu ihrer Verantwortung für die deutsche Seeschifffahrt." Das Maritime Bündnis werde gerade nach vielen Gesprächen zwischen Reedern und der Bundesregierung auf eine neue, solide Grundlage gestellt - insbesondere mit positiven Auswirkungen für die Seeleute auf Schiffen unter deutscher Flagge.

Der Maritime Koordinator appellierte an die Reeder, der Verantwortung und klaren Zusagen für den Standort Deutschland gerecht zu werden. "Dies gilt in besonderem Maße für den Eigentümer des Schiffes, das den Namen dieses Landes trägt und das 'Deutsche Schiff' bei den Olympischen Spielen in London sein wird", hieß es in Ottos Mitteilung. Der Maritime Koordinator ist für alle Maßnahmen der Bundesregierung zuständig, die mit Meerestechnik und Schifffahrt sowie den Häfen zu tun haben.

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