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Attentäter Breivik sagt in Oslo aus:Bekannte Hasstiraden

Das Beklemmende an Breiviks Ausführung ist, dass vieles, vor allem die zahlreichen islam- und fremdenfeindlichen Passagen, so bekannt klingt. Man kann ähnliche Parolen auch in Internetforen lesen oder an manchem Stammtisch hören. Eine der wichtigsten Fragen in der Debatte um den Prozess ist darum, welchen Stellenwert man der bizarren Ideenwelt Breiviks einräumen muss.

Einblick in das menschenverachtende Weltbild eines Massenmörders: Am zweiten Prozesstag in Oslo hat Anders Behring Breivik eine 13-seitige Erklärung verlesen.

(Foto: AFP)

Ist er, so wie er selbst behauptet, Vertreter einer gefährlichen rechtsextremen Ideologie, die auch von anderen Menschen in Europa geteilt wird? Oder ist er ein Irrer, der sich im Internet ein paar Gedankensplitter zusammenkopiert hat, um seine Mordlust politisch zu rechtfertigen?

Richterin Arntzen muss den Angeklagten an diesem Vormittag noch mehrmals ermahnen. Als er in einem längeren Exkurs Japan und Südkorea als perfekte Vorbilder lobt, weil er sie für "monokulturalistische Länder" hält, in denen außerdem Frauen "eine untergeordnete Rolle im Wirtschaftleben" spielen, sagt sie: "Kommen Sie jetzt bitte zum Schluss." Doch Breivik verweist auf sechs Seiten, die er noch vortragen müsse: "Alle sind relevant." - "Das was Sie über Japan und Südkorea sagen, ist weniger relevant. Können Sie sich bitte wenigstens auf Norwegen konzentrieren."

Die Aufmerksamkeit scheint ihm zu schmeicheln

Wenig später meldet sich auch Mette Yvonne Larsen, die Sprecherin der Nebenklageanwälte, zu Wort und fordert, die Erklärung des Rechtsradikalen zu verkürzen. Mehrere Angehörige und Opfer hätten sich bei ihr gemeldet und gesagt, es müsse jetzt genug sein. Staatsanwalt Svein Holden ergreift daraufhin das Wort und bittet, den Angeklagten ausreden zu lassen. Breiviks Ansichten seien wichtig für die Anklage.

Am Ende redet Breivik 73 Minuten. Er fordert Freispruch.

Nach der Mittagspause nehmen die beiden Staatsanwälte den Zeugen Breivik ins Verhör. Er soll genau erläutern, wann und wie er die Anschläge plante. Breivik behauptet weiterhin, einer Organisation mit dem Namen "Knights Templar" anzugehören. Er habe sie in seinem Manifest ein bisschen heroisiert, räumt er ein. In Wahrheit sei sie nicht besonders groß, sondern bestehe nur aus ein paar Individuen. Es gebe noch "zwei weitere Zellen". Staatsanwalt Holden hatte bereits am Montag bei der Prozesseröffnung erklärt, dass die Ermittler ihm in diesem Punkt nicht glauben.

Breivik wirkt während des Verhörs zunehmend entspannt. Das Interesse an seiner Person scheint ihm zu schmeicheln. Er lächelt breit, während er über die Vorbereitungen der Tat spricht. Als Vorbild nennt er unter anderem das Terrornetzwerk al-Qaida, von dem er mit offener Bewunderung spricht. Von der extremistischen Gruppierung habe sich seine Kreuzritterorganisation viele Anregungen erholt, sagt er mit leuchtenden Augen. "Zum Beispiel die Verherrlichung des Märtyrertodes."

Schließlich will Staatsanwältin Inga Bejer Engh wissen, welches Ziel er eigentlich verfolgte. Was hoffte er, mit seinen Morden zu erreichen? Breivik erklärt, immer noch lächelnd, er sei ein Ultranationalist. Er habe gehofft, die Anschläge würden eine "Hexenjagd" auf gemäßigte Konservative auslösen. Er wolle die Gesellschaft polarisieren und radikalisieren. "Ich will den Konflikt." Das ist die Agenda eines Terroristen.

Breiviks Vernehmung soll bis zum kommenden Montag andauern.