Atomkatastrophe von Fukushima: Tepco Der Chef ist krank - die Roboter kommen

Mitten in der größten Krise des Konzerns meldet sich Tepco-Chef Shimizu krank. Das Machtvakuum kommt zu einem empfindlichen Zeitpunkt: Keiner weiß, wie groß der Finanzbedarf nach der Katastrophe wirklich ist.

Von S. Liebrich

Arbeiter des japanischen Tepco-Konzerns versuchen verzweifelt, die Atomkatastrophe in Fukushima-1 zu stoppen - und ihr Chef fällt ganz aus. Firmen-Präsident Masataka Shimizu hat sich krankgemeldet, nachdem er tagelang nicht in der Öffentlichkeit gesehen wurde.

Scheiterte daran, Tepco transparenter zu gestalten: Konzernchef Masataka Shimizu hat sich krankgemeldet.

(Foto: Bloomberg)

Das Energie-Unternehmen teilte am Mittwoch mit, er sei wegen Bluthochdruck und Schwindel in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Damit spitzt sich die Führungskrise bei Tepco weiter zu. Die Lage in den havarierten Atommeilern in Fukushima gilt nach wie vor als extrem kritisch, Experten zeigen sich ratlos. Finanziell steht der Atomkonzern kurz vor dem Ruin, sodass eine Verstaatlichung immer wahrscheinlicher wird.

Das Vakuum an der Tepco-Spitze soll nun Verwaltungsratschef Tsunehisa Katsumata ausfüllen. Ob er der Richtige für den Job ist, muss allerdings bezweifelt werden. Er stand selbst bis 2008 als Präsident an der Spitze von Tepco und musste seinen Stuhl für Shimizu räumen.

Grund war eine Vertuschungsaffäre. Auch damals war ein Erdbeben der Auslöser: Es gab Schäden und ein Strahlenleck an einem Kernkraftwerk. Tepco spielte den Unfall herunter. Dem Nachfolger Shimizu galt alle Hoffnung. Er sollte den Konzern radikal umbauen und transparenter machen. Eine Aufgabe, an der er kläglich gescheitert ist.

Auf die Hilfe ihres Managements können die Arbeiter von Tepco nicht zählen. Sie riskieren ihr Leben, um die Lage in den zerstörten Atommeilern von Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Umso wichtiger ist Unterstützung von anderer Seite. So haben die USA mehrere Roboter zur Verfügung gestellt, die in den stark radioaktiv verseuchten Bereichen des Kernkraftwerkes eingesetzt werden können. Die bei Kampfeinsätzen in Afghanistan und im Irak erprobten Roboter können Filmaufnahmen erstellen und Geröll wegräumen. Auch Experten des französischen Atomkonzerns Areva helfen seit Mittwoch vor Ort im Kampf gegen einen möglichen Super-GAU.

Interims-Chef Katsumata bemüht sich um finanzielle Schadenbegrenzung. Er werde alles tun, um eine Verstaatlichung von Tepco zu verhindern, kündigt er vollmundig an. Doch die Situation ist prekär, Tepco geht das Geld aus. Daraus macht inzwischen auch das Unternehmen selbst keinen Hehl mehr.

Der in der vergangenen Woche beantragte Notkredit über 25 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro) werde nicht ausreichen, um den Firmenbetrieb aufrechtzuerhalten, warnt ein Sprecher des Unternehmens. Doch Tepco braucht dringend Geld. Auch um die Forderung von Japans Wirtschaftsminister Banri Kaieda zu erfüllen, der eine Überprüfung aller Atomkraftwerke in Japan angeordnet hat.

Wie viel Kapital der schwer angeschlagene Konzern tatsächlich braucht, weiß selbst bei Tepco niemand so genau. In japanischen Regierungskreisen wird bereits heftig über eine Verstaatlichung des Katastrophenkonzerns debattiert. Ein Schritt, der unausweichlich scheint - angesichts der horrenden Schadenersatzforderungen, die auf Tepco zukommen.

Das Führungsvakuum und die drohende Pleite lösten an der Börsen in Tokio erneut Panikverkäufe aus. Die Tepco-Aktie, die bereits am Dienstag vorübergehend vom Handel ausgesetzt wurde, stürzte am Mittwoch weiter ab.

Bei einem Verlust von 17 Prozent griff der Börsenbetreiber erneut ein und stoppte den Handel. Der Börsenwert des Unternehmens ist seit dem schweren Erdbeben vom 11. März dramatisch eingebrochen - von 42 Milliarden Dollar auf nur noch 9,1 Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro). Dem stehen Gesamtschulden des Unternehmens in Höhe von 100 Milliarden Dollar gegenüber. Ein Ernstfall.