bedeckt München 14°
vgwortpixel

Atomkatastrophe in Japan:Neue Kernspaltung in Fukushima befürchtet

Eine neue Hiobsbotschaft aus Japan: Im Reaktor 2 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-1 gibt es Anzeichen für eine erneute Kernspaltung. Die Betreiberfirma Tepco beschwichtigt, die Lage sei stabil und der Vorfall werde sich nicht auf die künftige Arbeit auswirken.

Aus dem havarierten japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist ein neuer Vorfall gemeldet worden. In einem der Reaktoren seien Anzeichen für eine erneute Kernspaltung entdeckt worden, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. Deshalb habe man vorsorglich Borsäure in den Reaktor 2 der Anlage eingeleitet, um eine mögliche Kettenreaktion zu verhindern. Temperatur, Druck und radioaktive Strahlung hätten sich aber laut Tepco nicht wesentlich verändert.

Aerial

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-1 gibt es Anzeichen für eine erneute Kernspaltung. Die Betreiberfirma Tepco beschwichtigt: der Reaktor sei stabil.

(Foto: AP)

Der Konzern versuchte, den Vorfall herunterzuspielen: Es handele sich um keine besonders kritische Situation. "Wir haben bestätigt, dass der Reaktor stabil ist, und wir glauben nicht, dass der Vorfall einen Einfluss auf unsere künftige Arbeit haben wird", sagte Tepco-Sprecher Osamu Yokokura. Außerhalb des Kraftwerks sei keine Radioaktivität festgestellt worden. Auch ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde, Hiroyuki Imari, sagte, man gehe nicht davon, dass es sich um ein größeres Problem handele. Es sei jedoch eine Untersuchung aufgenommen worden.

Die Sorge über eine mögliche unkontrollierte Kernspaltung war durch das vermutete Auftreten der Gase Xenon-133 und Xenon-135 entstanden, Nebenprodukten einer atomaren Reaktion. Beide Substanzen haben eine kurze Halbwertszeit, so dass eine mögliche Kernspaltung kürzlich erfolgt sein müsste. In kontrollierter Form erfolgt Kernspaltung in Atomreaktoren zur Energiegewinnung.

Nach Angaben von Tepco war es in den vergangenen Monaten durch fortwährende Kühlung gelungen, die Temperatur im Reaktor 2 auf unter hundert Grad zu senken - eine der Bedingungen für die angestrebte kalte Abschaltung, bei der die Temperaturen allmählich sinken, ohne dass atomare Reaktionen stattfinden.

Erstmals seit dem verheerenden Unglück soll am heutigen Mittwoch in Japan wieder ein abgeschalteter Reaktor hochgefahren werden. Der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power auf der südlichen Hauptinsel Kyushu wollte den Reaktor Nummer 4 in der Atomanlage Genkai wieder ans Netz bringen, wie der Konzern mitteilte. Der Reaktor war am 4. Oktober wegen Problemen mit dem Kühlsystem automatisch heruntergefahren worden.

Nachdem die staatliche Atomaufsichtsbehörde den Schadensbericht des Betreibers sowie die Sicherheitsmaßnahmen abgesegnet hatte, gaben Politiker laut Medienberichten ihre Zustimmung zum Wiederanfahren. Derzeit sind nur 10 der 54 Reaktoren im Land am Netz.

Durch das schwere Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami am 11. März starben in Japan etwa 20.000 Menschen oder wurden als vermisst gemeldet. Drei der sechs Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima-1 wurden schwer beschädigt. Zehntausende Menschen mussten die verstrahlten Gebiete rund um Fukushima-Daiichi verlassen.

© dpa/AFP/dapd/infu/leja
Zur SZ-Startseite