Atomkatastrophe in Fukushima:Zweifel an den vermuteten Wasserständen

Im amerikanischen Three Mile Island lag das Brennmaterial nach der Kernschmelze 1979 auch auf dem Reaktorboden. Um es aus dem Reaktor zu bergen, musste man es schließlich zu Pulver mahlen. Dieser Prozess dauerte 14 Jahre.

Atomkatastrophe in Fukushima: Ein Container zur Aufnahme von radioaktivem Kühlwasser wird zum AKW Fukushima-Daiichi geschleppt.

Ein Container zur Aufnahme von radioaktivem Kühlwasser wird zum AKW Fukushima-Daiichi geschleppt.

(Foto: AP)

Mit dem Leck im Reaktor erklärt sich auch das Verschwinden von bis zu 11.000 Tonnen Kühlwasser, die Tepco in den Reaktor und die Druckkammer gepumpt hat. 3000 Tonnen wurden im Keller unter dem Reaktor entdeckt; es ist vermutlich hochradioaktiv. Da Reaktor 1 mit Reaktor 2 verbunden sind, dürften überdies einige tausend Tonnen dieses Wassers im Keller von Block 2 dümpeln. Etwas von diesem Wasser dürfte auch ins Grundwasser gesickert sein, bestätigt Hidehiko Nishiyama von der Agentur für Nuklearsicherheit.

Angesichts dieser neuen Lage muss Tepco die Pläne ändern. Man wird die Druckkammer von Reaktor 1 zur Kühlung nicht fluten können, wie bisher geplant. Das Risiko, dass noch mehr radioaktives Wasser ins Grundwasser oder in die See austritt, ist zu groß, wie Goshi Hosono, der Beauftragte des Premiers für das Nuklear-Desaster, sagte.

Die Betreiberin wird einen Kreislauf bauen müssen, mit dem das Kühlwasser unter dem Reaktor aufgefangen, dekontaminiert und dann erneut eingepumpt wird. Das wird die ganze Stabilisierung verzögern.

Am Montag erklärte Tepco, da man sich bei Reaktor 1 getäuscht habe, sei es denkbar, dass auch die vermuteten Wasserstände in den Reaktoren 2 und 3 nicht stimmten - und dass mithin auch diese Kerne geschmolzen seien. Zumal die Temperatur in Reaktor 3 seit Anfang Mai stetig gestiegen sei.

Man wisse nicht, ob überhaupt noch Wasser im Reaktor 3 sei. Weil die Tanks für das Lagern von hochradioaktivem Wasser demnächst voll sein werden, wird Tepco ein riesiges Tankfloß einsetzen, in welches kontaminiertes Wasser gepumpt werden kann. Es ist derzeit unterwegs von Yokohama vor die Küste von Fukushima.

© SZ vom 17.05.2011/jab
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