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Atemwegsreizungen:"Kein Dummer-Jungen-Streich, sondern eine Straftat"

  • Ein Unbekannter versprühte Pfefferspray am Hamburger Flughafen, 68 Personen wurden verletzt.
  • Der Feuerwehr zufolge wurde das Gas über die Klimaanlage im Bereich der Sicherheitskontrollen verteilt.

Der Hamburger Flughafen ist an diesem Sonntag vorrübergehend komplett gesperrt worden. Grund sei ein Austritt von Reizgas gewesen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr der SZ. Gegen 11 Uhr klagten mehrere Personen an der Fluggastkontrolle über Augenbrennen und Reizhusten. 68 Personen wurden verletzt, neun von ihnen ins Krankenhaus gebracht.

Pfefferspray sei im Bereich der Sicherheitskontrollen verteilt worden, vermutlich verbreitet über die Klimanlage, erklärte die Feuerwehr. Man habe eine entsprechende Kartusche gefunden.

Sperrung des Helmut Schmidt Airport

Großeinsatz am Hamburger Flughafen

"Es war ein komisch süßlicher Geruch", sagt die zwölfjährige Ann-Kathrin, die mit ihrer Mutter eine Freundin zum Flug nach Dubai bringen wollte. "Aber beißend", ergänzt Mutter Jasmin Feth (40). Die Wahrnehmung machten sie außerhalb des Gebäudes. Die Eingänge waren schon geschlossen, als sie mit der S-Bahn eintrafen.

Behörden gehen nicht von Terroranschlag aus

Die Behörden reagierten schnell und umfassend auf den Vorfall an der Fluggastkontrolle. Sicherheitskräfte räumten den Flughafen, der Airport setzte den Flugverkehr zeitweise komplett aus. Die Feuerwehr war mit 120 Personen im Einsatz. Man gehe nicht von einem Terroranschlag aus, sagte ein Sprecher.

Nachdem die Räumungsmaßnahmen abgeschlossen waren, wurden gegen 13.30 Uhr die öffentlichen Teile der Terminals 1 und 2 für die in der Kälte wartenden Menschen wieder geöffnet. Der Flugbetrieb ist inzwischen wieder angelaufen.

Wer das Pfefferspray versprüht hat, ist noch unklar. "Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, sondern eine Straftat", sagte Feuerwehr-Sprecher Torsten Wesselly. Allerdings eine, die in der jüngeren Vergangenheit häufiger als sonst vorgekommen sei. Allein in Hamburg, sagte Norbert Kusch, habe es in den vergangenen Monaten regelmäßig Einsätze gegeben. "Es ist offensichtlich en vogue, ab und zu mal so eine Patrone abzudrücken", sagte Kusch. Diese habe auch damit zu tun, dass Pfefferspray - selbst in Drogeriemärkten - überall erhältlich ist.

13 Flüge von der Sperrung des Flughafens betroffen

Insgesamt 13 Flüge waren von der vorübergehenden Sperrung betroffen. Zwei von ihnen seien nach Bremen umgeleitet worden, sagte eine Flughafensprecherin. Später seien die Maschinen wieder nach Hamburg zurückbeordert worden. Die übrigen Flugzeuge hätten entweder auf der Bahn warten oder in der Luft kreisen müssen.

Der Flughafen Hamburg ist der fünftgrößte deutsche Airport, mit monatlich mehr als einer Million Fluggäste. Im Jahr 2016 fertigte er mehr als 16 Millionen Passagiere und etwa 161 000 Flüge ab. Dort verkehren rund 60 Airlines, darunter Eurowings/Germanwings, Lufthansa, Air Berlin, Easyjet und Ryanair. Sie fliegen von Hamburg aus etwa 120 nationale und internationale Ziele direkt an.