Süddeutsche Zeitung

Astronomie:Sternenhimmel Mai

Im Mai sind die Sterne Mizar und Alkor am Himmel zu erkennen, auch bekannt als "Pferd" und "Reiterlein". Nur wenig ist über sie bekannt - dabei wurden sie schon früh entdeckt.

Highlight: Mit steil aufragender Deichsel steht der Große Wagen derzeit hoch im Norden. Der mittlere der drei Deichselsterne heißt Mizar und ist nicht allein. Wer gut sieht, erkennt ganz in seiner Nähe ein zweites, schwächer glimmendes Sternchen namens Alkor. In mittelalterlichen und arabischen Quellen taucht das Paar als "Augenprüfer" auf, war also schon vor Erfindung des Fernrohrs bekannt. Auch als "Pferd" und "Reiterlein" werden die beiden Sterne beschrieben. Sie bilden einen optischen Doppelstern - weil sie sich am Himmel nahezu in derselben Richtung befinden und daher unmittelbar nebeneinander erscheinen. Doch das System gibt Rätsel auf. So wissen die Astronomen immer noch nicht, ob Mizar und Alkor auch durch die Gravitation aneinander gefesselt sind und einen gemeinsamen Schwerpunkt umlaufen. Das Paar wäre dann ein physischer Doppelstern. Tatsächlich trifft dies auf Alkor zu, denn der besteht offenbar, wie man erst seit einigen Jahren weiß, aus zwei Komponenten, A und B. Hinter Mizar steckt sogar ein Vierfachsystem. Im kleinen Amateurteleskop lässt sich halbwegs zwischen Mizar und Alkor ein schwaches Sternchen erkennen. Johann Georg Liebknecht sah es 1722 und hielt es für einen neuen Planeten - wofür er von seinen Kollegen nicht ganz zu Unrecht verspottet wurde.

Sterne und Sternbilder: Am südlichen Himmel funkeln die hellen Sterne Arktur, Antares, Spika und Regulus in den Bildern Bootes, Skorpion, Jungfrau und Löwe. Einigermaßen markant sind auch die Figuren von Herkules und Krone. Tief im Nordwesten stehen Zwillinge und Fuhrmann, im Nordosten Leier und Schwan. Hoch im Norden, aber in entgegengesetzten Richtungen, rollen Großer und Kleiner Wagen dahin. Knapp über dem Horizont steht das "W" der Kassiopeia.

Planeten, Mond und Meteore: Merkur zeigt sich im Mai gar nicht, während Venus am Morgenhimmel zu einem unauffälligen, nurmehr schwer sichtbaren Gestirn geworden ist. Mars wandert vom Stier in die Zwillinge und lässt sich am Abendhimmel noch für kurze Zeit blicken. Jupiter im Schlangenträger wird allmählich zum Objekt der ganzen Nacht, Saturn im Schützen erscheint nach Mitternacht. Am 5. Mai ist Neumond, Erstes Viertel ist am 12., Vollmond am 18. und Letztes Viertel am 26. Mai. Die Sternschnuppen des periodischen Meteorstroms der Eta-Aquariden erreichen am 6. Mai ihr Maximum. Allerdings sind die Beobachtungsbedingungen in unseren Breiten sehr ungünstig, und so wird sich höchstens ein halbes Dutzend Meteore pro Stunde zeigen.

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Quelle:
SZ vom 02.05.2019
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