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Aschewolke über Europa:Noch tagelang Chaos auf Europas Flughäfen

Die Aschewolke führt zu den größten Behinderungen seit dem 11. September 2001. Auch am Wochenende werden massive Störungen erwartet.

Die Aschewolke nach dem Vulkanausbruch in Island hat Europas Luftverkehr in das größte Chaos seit den Anschlägen vom 11.September 2001 gestürzt. 60 Prozent der Flüge fielen am Freitag aus, wie die europäische Flugsicherung Eurocontrol meldete. Hunderttausende saßen an geschlossenen Airports fest.

Im Laufe des Tages zog die Wolke über Deutschland hinweg. Dort mussten alle Flughäfen schließen, am Abend als letzter auch der Münchner Airport. Die Behinderungen sollen am Wochenende andauern.

Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilte Eurocontrol in Brüssel mit. Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen, sagte Eurocontrol-Chef Brian Flynn.

Lufthansa streicht alle Flüge

Am Freitag sperrten viele weitere Länder wie Polen, Österreich und die Schweiz ihren Luftraum, insgesamt sind es nun etwa ein Dutzend Länder. Der deutsche Luftraum wird nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes mindestens bis Samstagabend gesperrt bleiben. Die Lufthansa strich alle Flüge bis Samstag, zwölf Uhr.

Nur der Münchner Flughafen war tagsüber als letzter der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland noch in Betrieb, wurde aber um 20 Uhr geschlossen, zunächst bis Samstagmittag. In Frankfurt ging seit acht Uhr morgens nichts mehr. An den Schaltern der Fluggesellschaften standen lange Schlangen ratloser Reisender. Mehr als tausend Passagiere hatten die Nacht zum Freitag auf Feldbetten verbringen müssen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel musste ihre Pläne ändern: Sie befand sich auf dem Rückflug von den USA nach Berlin. Ihre Maschine wurde nach Lissabon umgeleitet, wo sie die Nacht verbringen musste. Die in Afghanistan verwundeten deutschen Soldaten konnten in Begleitung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zunächst nur nach Istanbul geflogen werden.

Europas Luftfahrtindustrie drohe ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro am Tag, teilte der Verband der europäischen Fluggesellschaften AEA in Brüssel mit. An den Börsen gaben die Aktien der Fluggesellschaften nach. In Luftfahrtkreisen wurde diskutiert, ob die Komplettsperrungen nötig seien. Allerdings standen keine Daten zur Verfügung, die eine andere Entscheidung möglich gemacht hätten.

Busse, Bahnen, Mietwagen und Fähren hatten in weiten Teilen Europas starken Zulauf. Auch die Deutsche Bahn verzeichnete deutlich mehr Passagiere. Es würden alle zur Verfügung stehenden Züge eingesetzt, sagte ein Bahn-Sprecher.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer riet von unnötigen Reisen ab. Er habe Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Telefonat aufgefordert, alles zu tun, um den Verkehr in Deutschland so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. In Frankreich verstärkten die Schließungen ohnehin vorhandenes Chaos: Bei der Staatsbahn SNCF wird seit Tagen gestreikt.

Der Vulkan in Island war am Mittwoch ausgebrochen und ist weiterhin aktiv. Die sehr harten und scharfen Partikel können große Schäden an den Flugzeugen, vor allem an den Triebwerken, anrichten. Die Eruption könne noch mindestens einige Tage andauern, sagte der Geophysiker Bernd Zimanowski von der Uni Würzburg. Typischerweise dauere es zwei, drei Wochen bis maximal einige Monate.

Nach Auskunft von Meteorologen wird sich die Aschewolke weder auf das weltweite Klima noch auf das Wetter in Deutschland in den nächsten Tagen auswirken. Sie könnte allenfalls für schöne Sonnenuntergänge sorgen, sagte Jörg Asmus vom Deutschen Wetterdienst.