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AOK auf Abwegen:Das Kassen-Piercing

Eine Bonuskarte der AOK vergünstigt Fast Food und Nasenringe. Solariumbesuche und Cocktails gibt es mit der Karte auch billiger. Ein Skandal, finden einige.

Bernd Dörries

Auf ihrer Internet-Seite gibt die AOK-Baden-Württemberg wertvolle Hinweise zum "Abnehmen mit Genuss", mit einem Kalorienrechner kann man nachzählen, was man essen sollte und was nicht.

AOK: Diskussionen um Piercing auf Kassen-Karte.

(Foto: Foto: dpa)

Die Krankenkasse scheint insgesamt sehr besorgt um die Gesundheit ihrer Kunden: Sie warnt vor häufigen Solariumbesuchen und übermäßigem Alkoholgenuss. Aber wie ihre Kunden hat auch die Krankenkasse anscheinend nicht immer die Kraft, ein solch lasterfreies Leben durchzuhalten.

Für Jugendliche liegt in den Geschäftsstellen der Krankenkasse die AOKplus-Card bereit, ein Bonusheft, mit dem es bei Kooperationspartnern Rabatte gibt: Günstige Angebote von Fahrschulen und Rabatte beim Kauf eines Fahrrades. Vernünftige Sachen.

Darin enthalten: Vergünstigungen für Dinge, vor denen die AOK schon immer gewarnt hat. Beim Kauf eines Menus in einem Fast-Food-Restaurant erhält der AOKplus-Card-Kunde einen Hamburger gratis. In einer Kneipe gibt es gegen Gutschein Cocktails zum halben Preis.

Dazu Rabatte bei Piercing-Studios und im Solarium, auch in Diskotheken erhalten Mitglieder der Krankenkasse verbilligten Eintritt. Die AOK versprach sich durch die Aktion offenbar eine gewisse Sympathie bei Jugendlichen und neue Kunden, erntete aber viel Kritik. Die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) nannte die Angebote "etwas unglücklich", der Verband der Krankenversicherten sprach von einer Unverschämtheit", die sofort beendet werden müsse.

Ende vergangener Woche teilte die Krankenkasse schließlich mit, die fraglichen Vergünstigungen seien mittlerweile aus dem Programm genommen worden. "Einzelne örtliche Angebote sind weit über das Ziel hinausgeschossen", sagte Vorstandschef Rolf Hoberg.

Die entsprechenden Angebote hätten zwar nur ein oder zwei Prozent ausgemacht. Die Förderung von Fast-Food sei aber nicht im Sinne der Krankenkasse: Wenn es einen Apfel oder einen Fruchtsaft extra gebe, sei das in Ordnung. Von solchen Angeboten ist bisher aber nichts bekannt.

© SZ vom 30.5.2007
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