Anwesen der Kelly Family wird zwangsversteigert Schloss aus und vorbei

In den Neunzigern gehörte die Kelly Family zum Musikadel Deutschlands. Und wie sich das für Vertreter dieses Standes gehört, residierten die Bandmitglieder in einem Schloss. Doch nun soll das herrschaftliche Kelly-Anwesen bei Köln unter den Hammer kommen - und mit dem Familienfrieden ist es genauso vorbei wie mit den gemeinsamen Erfolgen.

Von Johanna Bruckner

Trautes Heim, Glück allein? Nicht einmal fünf Jahren lebte der Kelly-Clan gemeinsam in Schloss Gymnich bei Köln, dann zogen bereits erste Mitglieder aus, um eigene Familien zu gründen.

(Foto: dpa, Süddeutsche.de)

Die Begrüßung des Studiopublikums erinnert an vergangene Zeiten: Es wird frenetisch geklatscht und sogar vereinzelt gekreischt, als Moderator Markus Lanz Patricia, Paul und Joey Kelly als Gäste seiner Sendung vorstellt. Dabei haben die drei Geschwister kaum mehr etwas mit den Kellys gemein, die in den neunziger Jahren mit Songs wie An Angel und Why Why Why weit über Deutschland hinaus Erfolge feierten.

Der Zusammenhalt in der vermeintlich vorbildlichen Großfamilie bröckelt: Das wird bei dem Talkshow-Auftritt im vergangenen November deutlich - und das zeigt auch die Zwangsversteigerung von Schloss Gymnich bei Köln an diesem Dienstag.

Spekulationen über hohe Schulden und innerfamiliäre Streitigkeiten

Bevor die Kellys 1998 hier einzogen, beherbergten die herrschaftlichten Gemäuer ausländische Staatsgäste der Bundesregierung. Der Prachtbau aus rotem Backstein ist von einem Wassergraben umgeben und steht unter Denkmalschutz. Sein Unterhalt soll jährlich mindestens 100.000 Euro kosten.

Zu viel für den Musikerclan, wird gemunkelt, die Familie sei bei den Banken hoch verschuldet. Zudem gibt es offenbar Streit um den Nachlass des 2002 verstorbenen Familienoberhaupts Dan Kelly. Ein nicht näher benanntes, männliches Kelly-Mitglied sagte dem Magazins OK! nach Bekanntwerden der Veräußerung im Mai vergangenen Jahres: "Damit die nicht enden wollenden Erbstreitigkeiten aufhören, kommt uns die Zwangsversteigerung entgegen."

Im ersten Anlauf ist die jedoch gescheitert: Das einzige Gebot eines Kelly-Familienmitglieds vor dem Brühler Amtsgericht war zu niedrig. 1,7 Millionen Euro bot Joey Kelly für das Schloss, gefordert war jedoch mindestens die Hälfte des geschätzten Verkehrswerts von 5,3 Millionen Euro. Bei einem neuen Termin, den das Gericht noch bestimmen muss, wird es dann keine Untergrenze mehr geben.

Doch selbst wenn Schloss Gymnich in Besitz eines Kellys bleiben sollte: Von dem, was die Family einst ausgemacht hat, ist nicht mehr viel übrig.

Bei Markus Lanz erinnert Patricia Kelly im schwarzen, figurbetonten Kleid eher an eine Chefsekretärin als an die Straßenmusikerin von einst. Letzte Reminiszenz an den vormals hippiesken Lebensstil: eine überdimensionierte Ansteckblume. Und Joey Kelly, der mittlerweile als Extremsportler firmiert, bewegt sich mit seiner Aufmachung - schwarze Hose, schwarzes Polo-Shirt, randlose Brille - irgendwo zwischen Türsteher und Technokrat.

Einzig Paul Kelly verkörpert noch das alte Kelly-Stereotyp: Die Haare sind zwar kurz geschnitten, dafür trägt er Rauschebart und Tracht. Aber Letzterer, so informiert der Moderator, sei aus der Musikcombo Kelly Family ausgestiegen, bevor diese richtig durchstartete, um Bienenzüchter zu werden.

Vielleicht konnte er sich deshalb das bewahren, was mutmaßlich einmal für den großen Erfolg der singenden Geschwister mitverantwortlich war: Das war neben volkstümlichem Pop, Wallemähnen und Folklore-Look vor allem die Fähigkeit, ein aussterbendes Familienideal zu verkörpern, die Großfamilie. Doch dem Erfolg der Marke Kelly Family wurden, so scheint es, Werte und Zusammenhalt der Kelly-Familie geopfert - sofern sie denn jemals so vorhanden waren, wie sie vermarktet wurden.

Bei Markus Lanz jedenfalls zeigt ein Einspieler aus den Anfangstagen der Musiker, wie ein ein kaum zehnjähriger Joey Kelly im Tonstudio von seiner älteren Schwester Kathy ermahnt wird, höher zu singen. Nicht nur die habe ihn bisweilen geohrfeigt, erzählt der inzwischen erwachsene Joey, sondern auch Bruder Paul, der "früher ein Riesenarschloch" gewesen sei. "Es war nicht einfach bei der Kelly Family", sagt der inzwischen 39-Jährige.