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Anschlagsserie in Schweden:Die Opfer sind unbescholtene Bürger

Mittlerweile arbeiten eine Sonderkommission und eine 15-köpfige Profiler-Einheit aus Stockholm an dem Fall. Die Ermittler waren sich zunächst gar nicht sicher, ob sie es mit nur einem Täter zu tun haben. Malmö ist eine Stadt, die von organisierter Kriminalität und Bandenkriegen geplagt wird. Die Zeitung Svenska Dagbladet recherchierte, dass es allein in diesem Jahr bereits 50 Schießereien gegeben hat. Doch spielt sich die Gewalt meist ausschließlich im kriminellen Milieu ab. Die Opfer des Heckenschützen dagegen seien allesamt unbescholtene Bürger, die der Polizei bislang völlig unbekannt waren, sagen die Ermittler.

Es gebe auch technische Beweise, die einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen nahelegen. Genaueres wollen die Behörden wegen der laufenden Ermittlungen allerdings nicht sagen. Nur so viel, dass in allen Fällen jedes erkennbare Motiv fehlt. Der Täter scheint seine Ziele rein zufällig ins Visier genommen zu haben - auf der Straße, an der Bushaltestelle, im Auto. In einem Fall schoss er durchs Fenster eines Fitnessstudios auf einen Mann, der dort gerade trainierte.

Die Anschlagsserie weckt Erinnerungen an den Heckenschützen von Washington, der im Oktober 2002 drei Wochen lang die amerikanische Hauptstadt in Angst versetzte und insgesamt zehn Menschen aus dem Hinterhalt erschoss. In Schweden denken viele Leute in diesen Tagen auch an den "Lasermann" John Ausonius. Der hatte zwischen August 1991 und Januar 1992 in Stockholm und Uppsala wahllos auf Personen mit ausländischem Aussehen geschossen, dabei einen Menschen getötet und zehn weitere verletzt. Bei seinen Anschlägen benutzte Ausonius eine Waffe mit Laserzielgerät.

Als Motiv für seine Taten gab er später an, er habe die Ausländer aus dem Land jagen wollen. Seine Attentate fielen zeitlich mit einer großen Einwanderungsdebatte zusammen, die im Sommer 1991 mit dem Einzug der rechtspopulistischen Partei Neue Demokratie ins Parlament begonnen hatte. Viele Schweden sehen hier eine weitere Parallele zu den aktuellen Anschlägen: Seit die rechten Schwedendemokraten bei der Wahl im September den Sprung ins Parlament geschafft haben, wird in Schweden wieder über Einwanderung diskutiert.