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Anschlag auf BVB-Bus:"Ich wollte ein Szenario entwickeln wie in Paris"

Prozess um Anschlag auf BVB-Bus

Am 11. April 2017 explodierte eine Bombe in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)
  • Sergej W. ist wegen versuchten Mordes in 28 Fällen angeklagt; er soll den Anschlag auf den BVB-Bus im April vergangenen Jahres verübt haben.
  • An diesem Montag sagte er vor Gericht aus, dass die Anschläge im November 2015 in Paris ihn zu seiner Tat inspiriert hätten.
  • Damals war auch das Fußballstadion betroffen, in dem die deutsche Nationalmannschaft zu diesem Zeitpunkt spielte.

Die Idee zum Bombenanschlag auf den Bus des Bundesligisten Borussia Dortmund am 11. April 2017 wurde in jener Nacht geboren, als am 13. November 2015 die Terror-Anschläge in Paris stattfanden. Von diesen war im Pariser Fußballstadion potenziell auch die deutsche Nationalmannschaft betroffen, die gegen Frankreich spielte und deshalb die halbe Nacht ängstlich in Katakomben verbrachte. Dieses Szenario und den Absturz einiger Aktien an den Börsen hat der BVB-Attentäter Sergej W. interessiert beobachtet. So will er auf die Idee gekommen sein, ein Schreckensszenario rund um eine Fußballmannschaft zu inszenieren.

So erzählt es der 28-jährige Elektriker aus Baden-Württemberg am neunten Tag des Prozesses am Dortmunder Landgericht. "Ich wollte ein Szenario entwickeln wie in Paris", sagte er, "ich wollte eine große Medienwirkung erzielen mit der Nachricht 'Bombenattentat auf Mannschaftsbus', sodass die Anleger Panik bekommen und ihre Borussia-Dortmund-Wertpapiere verkaufen." Zuvor hatte er Optionsscheine gekauft, deren Wert im Falle eines BVB-Aktienabsturzes gestiegen wären.

Er habe ursprünglich keinen Bombenanschlag im Sinn gehabt, sondern nur eine Sportwette, mit der man auf den Ausgang eines Fußballspiels spekuliert. "Durch die Anschläge in Paris bin ich auf die Idee gekommen, einen Sprengstoffanschlag vorzutäuschen." Dazu habe er sich die Mannschaft von Borussia Dortmund ausgesucht, "weil sie die einzige börsennotierte Fußballmannschaft in Deutschland ist". Im Oktober 2016 habe er begonnen, die Zutaten zu seiner fernzündbaren Splitterbombe in Elektronik- und Baumärkten einzukaufen.

Im Frühjahr 2017 baute er diese im Betrieb seines Arbeitgebers zusammen. Mit dem Aufbau einer Sprengvorrichtung habe er sich aus dem Schulunterricht in Russland und seiner Zeit bei der Bundeswehr ausgekannt. Am 8. März 2017 hatte sich Sergej W. erstmals in dem Dortmunder Hotel eingemietet, um vor dem Champions-League-Heimspiel des BVB gegen Benfica Lissabon die Installation und Zündung der Bombe durchzuspielen. Die Abfahrt des Busses beobachtete er an jenem Abend von einem benachbarten Wäldchen aus. Doch erst beim nächsten Champions-League-Heimspiel am 11. April 2017 führte er den Anschlag tatsächlich durch. Damals wurde der Bus von Metallstiften derart beschädigt, dass das Spiel des BVB gegen Monaco auf den nächsten Tag verschoben wurde.

Um die Polizei auf die falsche Spur vermeintlicher IS-Terroristen aus Brüssel zu bringen, hatte er in dem Wald einen Feuerplatz angelegt und Lebensmittel verstreut, die er zuvor in Belgien gekauft hatte. Doch den von ihm geplanten Börsenabsturz gab es am Ende trotz der Explosion nicht. "Ich habe ein Minus gemacht", behauptet der Angeklagte Sergej W. vor Gericht. Er habe daraufhin überlegt, mit anderen Optionsscheinen und Aktionen noch etwas zu verdienen, dazu hat er im Internet nach Seilbahnbetreibern und dem Eurotunnel gegoogelt. Er wurde jedoch bald verhaftet. Knackpunkt ist nun im Prozess die Frage, ob der Angeklagte Sergej W. es in Kauf nahm, Menschen zu töten. Die Anklage lautet weiterhin auf "versuchten Mord in 28 Fällen".

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