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Anschlag auf Boston-Marathon:Zarnajew-Mutter hält ihre Söhne für unschuldig

Noch immer versuchen die Amerikaner, die Hintergründe des Anschlags auf den Boston-Marathon zu verstehen. Dabei rückt auch die Familie der beiden mutmaßlichen Attentäter in den Fokus. Die Mutter der Zarnajew-Brüder gab dem TV-Sender CNN nun ein Interview.

Auch mehr als eine Woche nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon versuchen die amerikanischen Medien die Hintergründe der Tat zu erklären. Doch das gelingt nicht immer. Der Fernsehsender CNN strahlte am Dienstag ein Interview mit der Mutter der beiden Attentäter aus. Doch wer sich von der verstörten Frau einen Erkenntnisgewinn erhofft, bleibt enttäuscht.

"Mein ältester Sohn wurde getötet und es ist mir egal, wenn sie heute auch meinen jüngsten Sohn töten", sagt Subeidat Zarnajewa während eines Telefongesprächs mit CNN. Es sei ihr sogar egal, wenn sie selbst getötet werde. "Alluh akbar" sei alles, was sie dazu sage - Allah ist groß.

Der Sender strahlt vom selben Tag eine Szene aus der Kaukasusrepublik Dagestan aus, in der Reporter mehrerer Medien Subeidat Zarnajewa auf der Straße bedrängen. Sie will eigentlich nicht reden - und tut es dann doch. Sie glaube nicht daran, dass ihrem jüngeren Sohn Dschochar nun ein fairer Prozess in den USA gemacht wird, sagt sie.

Zum selben Thema sagt sie im Telefoninterview: "Wissen Sie was ich glaube? Ich glaube, dass sie nun versuchen werden, Dschochar für schuldig zu erklären, weil sie ihm seine Stimme genommen haben, seine Fähigkeit, zu sprechen. Sie wollten nicht, dass die Wahrheit herauskommt." Was die Wahrheit sein soll, bleibt unklar. Zarnajewa ist mit der Situation hörbar überfordert und bricht während des Gesprächs in Tränen aus.

"Getötet, weil sie Muslime waren"

Zarnajewa hatte dem Fernsehsender ABC News bereits am Montag vom letzten Anruf ihres älteren Sohnes berichtet. Tamerlan habe sie in der Nacht angerufen und von der Polizeijagd berichtet, sagte sie. "Die Polizei, sie haben damit begonnen auf uns zu schießen, sie jagen uns", zitierte die Mutter ihren 26-jährigen Sohn.

Er habe ihr auch gesagt, dass er von seinem jüngeren Bruder Dschochar (19) begleitet werde. Tamerlan habe ihr am Ende des Gesprächs noch einmal seine Liebe versichert. Dann sei die Leitung abgerissen. Dschochar wurde von der Polizei schwer verletzt gefasst. Tamerlan starb bei dem Gefecht.

Zarnajewa bezweifelt auch, dass ihre Söhne für den Anschlag verantwortlich sind. "Sie wurden getötet, weil sie Muslime waren", sagte Zarnajewa kurz vor ihrer Abreise in die USA zu den Reportern auf der Straße.

© Süddeutsche.de/pauk/AFP/feko
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