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Anschlag auf Boston-Marathon:Bomben mit Spielzeug-Fernbedienung

File picture of runners continuing to run towards the finish line as an explosion erupts at the finish line of the Boston Marathon

Der Moment, als der Boston-Marathon am 15. April zur Tragödie wird

(Foto: Dan Lampariello/Reuters)

Material aus der Spielwarenabteilung: Die Brüder Zarnajew sollen die Bombenexplosionen von Boston mit Fernbedienungen für Spielzeugautos ausgelöst haben. Einer der mutmaßlichen Attentäter hätte schon vor anderthalb Jahren auf eine Liste von Terrorverdächtigen kommen sollen.

Neuen Erkenntnisse zufolge sind die Bombenexplosionen beim Anschlag auf den Boston-Marathon mit Hilfe einer Fernbedienung ausgelöst worden, wie sie für Spielzeugautos verwendet wird. Das berichteten Ermittler vor einem Parlamentsausschuss laut Aussagen von Abgeordneten.

Die Bauanleitung zu den Sprengsätzen sollen die beiden mutmaßlichen Attentäter Tamerlan und Dschochar Zarnajew demnach im Islamistenmagazin Inspire gefunden habe, das im Internet von der Gruppe "al-Qaida im Jemen" verbreitet wird. Der Sprengstoff stamme aus einem Geschäft für Feuerwerkskörper in New Hampshire.

Zudem wurde bekannt, dass der US-Auslandsgeheimdienst CIA bereits anderthalb Jahre vor den Anschlag von Boston beantragte, Tamerlan Zarnajew auf eine Liste von Terrorverdächtigen zu setzen. Die CIA habe Informationen zu Zarnajew, die sie am 28. September 2011 von den russischen Behörden erhalten habe, an die anderen Sicherheitsbehörden weitergegeben, berichten US-Medien unter Berufung auf anonyme Behördenvertreter.

Bei den Informationen habe es sich um zwei mögliche Geburtsdaten, Zarnajews Namen und eine Namensvariante gehandelt. Die Angaben seien "praktisch identisch" mit Angaben gewesen, welche die Bundespolizei FBI im März 2011 aus Russland erhalten hatte, sagte ein CIA-Mitarbeiter. Zarnajew war damals vom FBI vernommen worden, doch hatte das Verhör "keine negativen Erkenntnisse" erbracht. Allerdings wurde er auf die TIDE-Liste gesetzt, die Namen verdächtiger Personen enthält, so dass seine Ausreise nach Russland Anfang 2012 registriert wurde.

Wie Heimatschutzministerin Janet Napolitano mitteilte, waren allerdings bei seiner Rückkehr fünf Monate später alle Ermittlungen zu ihm beendet, so dass seine Wiedereinreise unbemerkt blieb. Der CIA-Mitarbeiter stellte klar, dass entgegen Berichten von Montag die Daten zu Zarnajew korrekt und in genau der Form, wie sie aus Russland übermittelt worden war, in der Überwachungsliste eingetragen wurden.

Eltern der Tatverdächtigen reisen in USA

Unterdessen wollen die Eltern der mutmaßlichen Boston-Attentäter am Donnerstag zur Unterstützung der Ermittlungen von Russland in die USA reisen. Das sagte der Vater Ansor Zarnajew der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Das sei bei Gesprächen der Eltern mit US-Diplomaten in Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan, vereinbart worden, hieß es. "Die Eltern haben sich damit einverstanden erklärt, sie werden in die US-Ermittlungen einbezogen", zitierte die Agentur einen Polizeivertreter. Ansor Zarnajew bestätigte das Treffen. Zuvor habe er bereits telefonisch Kontakt zu den US-Diplomaten gehabt, sagte er Ria Nowosti. Seine Frau Subeidat Zarnajewa war den Berichten zufolge am Dienstagabend in Dagestan eingetroffen.

Der 26-jährige Tamerlan soll mit seinem jüngeren Bruder Dschochar am Montag vergangener Woche den Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben, bei dem drei Menschen getötet und 264 verletzt wurden. Tamerlan wurde auf der Flucht von der Polizei erschossen, sein 19-jähriger Bruder wurde schwer verletzt gefasst. Die Brüder stammen aus einer muslimischen Familie aus Tschetschenien, lebten jedoch seit Jahren in den USA.

© AFP/Reuters/dpa/sebi