Akw-Gelände Marcoule nahe Avignon:Vorfall belastet Aktien der deutschen Energieversorger

Die Anlage besteht aus mehreren stillgelegten kleineren Reaktoren. Auf dem Gelände im Rhonetal ging bereits 1956 der Reaktorblock G-1 in Betrieb und lieferte als eines der weltweit ersten Akw kommerziell genutzten Atomstrom. Die vom Commissariat à l'Énergie Atomique (CEA) betriebenen Meiler G-2 und G-3 mit einer Bruttoleistung von jeweils 43 Megawatt folgten 1959 und 1960. Sie wurden 1980 beziehungsweise 1984 wieder vom Netz genommen.

France nuclear power plant Marcoule explosion

Archivbild der französischen Atomanlage Marcoule vom März 2011: Die Anlage besteht aus mehreren stillgelegten kleineren Reaktoren.

(Foto: dpa)

Auf dem Gelände befindet sich außerdem die Wiederaufbereitungsanlage UP1, in der seit 1958 Brennstäbe aus anderen Reaktoren aufbereitet wurden. Bis 1993 diente sie zur Gewinnung von waffenfähigem Plutonium. UP1 ist ebenfalls seit 1997 abgeschaltet. 1973 ging auf dem Gelände der Forschungsreaktor Phénix in Betrieb. Der lediglich zu Testzwecken genutzte Prototyp des pannenanfälligen Schnellen Brüters Superphénix, der 1998 endgültig abgeschaltet wurde, wurde nach mehreren kleineren Zwischenfällen 2010 selbst auf Dauer vom Netz genommen.

Derzeit wird das Gelände als Lager für atomaren Abfall und radioaktives Material genutzt. In einer speziellen Anlage wird hochradioaktiver Abfall mit geschmolzenem Glas gemischt und so fixiert. Ansonsten werden die Anlagen in Marcoule derzeit noch immer von Radioaktivität "gesäubert" und nach und nach abgebaut.

Die französischen Grünen forderten die Regierung zu Transparenz auf. "Die Anwohner und alle Franzosen müssen ohne Verzögerung über die Entwicklungen informiert werden", betonte Parteichefin Cécile Duflot. Nach der Katastrophe zu Fukushima habe die Regierung sich zu größtmöglicher Transparenz verpflichtet. Nun sei die Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen. Auch nach dem Unglück von Fukushima hält Frankreichs Regierung an der Atomkraft fest und verweist auf die Sicherheit französischer Atomkraftwerke.

Die Explosion traf auch die deutschen Stromerzeuger. Nach Bekanntwerden des Unfalls sackten die Aktien der beiden großen deutschen Versorger E.on und RWE zwischenzeitlich auf neue Jahres-Tiefststände ab. Bereits zuvor waren die beiden Papiere in einem nervösen Umfeld wie die anderen Dax-Titel mit Abschlägen gehandelt worden.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/luk
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