Anke Late Night:Die A-Klasse fällt um

Lesezeit: 3 min

Es war kein Ladykracher, sondern ein Rohrkrepierer: Anke Engelke muss ihre Late-Night-Show aufgeben.

Von Hans Hoff, Christopher Keil und Hans-Jürgen Jakob

Das einzige, was an Anke Engelke und ihrer Fernsehshow Anke Late Night stimmte, war die PR vorher. "Zerreißt Euch das Maul", verkündete die spontan-komödiantische Frau, "immerhin bieten wir eine A-Klasse-Talkmasterin namens Engelke." Oder sie tönte: "Wir haben eine kluge Definition gefunden für Menschen, die wir nicht in die Show einladen: Arschlöcher."

Mag ja alles richtig gewesen sein - nur leider stellte sich der Zuschauer aus Sicht der weiblichen Hoffnung von Sat1 als A... heraus: Er schaltete einfach selten genug zur angeblichen A-Klasse. Weil mit dem Publikum auch die Werbekundschaft ausblieb, und somit die immensen Produktionskosten von 90.000 Euro pro Folge nicht zu finanzieren waren, war der Knock-out so logisch wie der Gag in solchen Late-Night-Shows.

Die A-Klasse fiel um.

Am Dienstag gaben der Berliner Privatsender und die Produktionsfirma Brainpool nach quälenden Reanimationsversuchen Engelkes Sendung auf. Anke Late Night wird zum 21. Oktober eingestellt.

"Die Entscheidung ist niemandem von uns leicht gefallen. Sie ist das Ergebnis langer und intensiver Überlegungen und die Konsequenz aus der Quotenentwicklung", sagte Sat1-Chef Roger Schawinski - und schloss mit dem in solchen Fällen üblichen Dank. Friede der Asche.

Vertraglich war vorgesehen, dass Anke Engelke 14 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen schaffen sollte. Das war ein Stück aus dem Illusionstheater. Tatsächlich war die TV-Frau, die es mit Ladykracher auf Sat1 so schön hat explodieren lassen, zum Schluss bei sieben Prozent gelandet. Das war ein Rohrkrepierer.

Die Fehlzündung ist höchst unerfreulich für Chefmanager Schawinski, der im Dezember 2003 aus der Schweiz nach Deutschland kam und allerlei Innovationen im Sinn hatte.

Eine hieß Klatsch-TV, ein vormittägliches Damenkränzchen mit der Berufsblondine Jenny Elvers-Elbertzhagen, das sich aber als fade Vorspeise im TV-Menü erwies und folgerichtig eingestellt wird. Als noch größeren Coup feierte der Eidgenosse die Entdeckung der Anke als Nachfolgerin des erprobten Lästermauls Harald Schmidt, der nach den üblichen Führungsintrigen bei Sat1 der täglichen Fernsehfron entsagte.

Anke Engelke sei weltweit die erste Late-Night-Talkerin, schwärmte Schawinski und versprach, Geduld zu haben.

Die A-Klasse fällt um

Alles müsse so werden wie in den USA bei den großen Vorbildern Jay Leno und David Letterman, bei denen die Politiker ihre Kandidaturpläne abzugeben pflegen. Zu Anke kamen Stefan Raab, Thomas Kausch und Sarah Kuttner, doch schon der ehemalige US-Präsident Bill Clinton machte bei seiner Deutschland-Visite einen Bogen um das Studio in Köln-Mühlheim.

Zum Start am 17. Mai gab es wenigstens noch ausreichende Marktanteile. Dann aber wurde klar, dass Show und Showmasterin nicht zusammenpassen. Zu präsent noch war das geniale Improvisationstheater des Harald Schmidt in Erinnerung, und angesichts der fehlenden Intellektualität der tapferen Frontfrau half auch das obligatorische Wasserglas auf dem Schreibtisch nicht.

Die Quoten sackten.

Nach der Sommerpause sollte das Konzept dann "klein, weiblich, gut" werden - doch das Grunddilemma blieb: Wer will sich abends von einer Frau die Welt erklären lassen? Am Montag erzählte Anke, viele hätten den Tag der Deutschen Einheit an der tschechischen Grenze gefeiert - manche hätten "reingevögelt". Dann spielte sie Wetten, dass..? nach, was auch nicht komisch war. Und sie stellte erstmals ein Plastik-Aquarium hin und wusste: "Ich schlafe eventuell während der Sendung ein. Wenn Sie mich dann aufwecken könnten?"

Nun findet sie: "Schade, dass die Sendung nicht mehr Zuschauern so viel Spaß gemacht hat wie meinem Team und mir. Im Übrigen plane ich keine kreative Pause." Sie soll weiter Ladykracher-Episoden gestalten sowie Spezialsendungen von Danke, Anke - zu Weihnachten und Muttertag.

Sat1-Vormann Schawinski macht in der Not Tugendhaftes: Er zieht alle Kritik mannhaft auf sich. Von einer Ablösung durch den Eigentümer Haim Saban, mit dem ihm eine gewisse Chuzpe verbindet, ist nichts in Erfahrung zu bringen. Freilich hat der Fernsehexperte 20.000 Euro verloren: So viel hat der Schweizer Charmeur gewettet, dass sein Schützling Engelke es schafft.

Vorher hatte der holländische Showkenner Rudi Carrell 10.000 Euro aufs Scheitern der Nachtfrau von Sat1 gesetzt. Sein wenig schmeichelhafter Kommentar damals: "Sie wirkt wie ein Streichholz in der Olympiahalle."

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB