Süddeutsche Zeitung

Anhörung in Nevada:O. J. Simpson kommt frühzeitig frei

Lesezeit: 2 min

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am Ende der Anhörung sorgte O. J. Simpson noch für ein bisschen Heiterkeit. "Seien wir doch mal ehrlich: Sie wollen mich doch gar nicht hier haben", sagte er, nachdem er sich eine Stunde lang als Musterhäftling präsentiert hatte, der anderen Insassen hilft und nach einer Entlassung ein integres und konfliktfreies Leben führen würde. "Ich möchte freigelassen werden, um Zeit mit meinen Kindern zu verbringen", sagte er.

Die Kommission entschied nach kurzer Beratungszeit dennoch einstimmig: Sie wollen ihn wirklich nicht mehr haben in diesem Gefängnis im US-Bundesstaat Nevada, seine Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt, er wird am 1. Oktober unter strengen Auflagen wie Durchsuchungen seines Hauses und Reiseeinschränkungen freigelassen. Als Simpson die Entscheidung hörte, begann er zu weinen. "Danke, danke, danke", sagte er.

Es ist wichtig zu wissen, dass der ehemalige US-Footballspieler, heute 70 Jahre alt, nicht wegen des Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown und deren Freund Ronald Goldman im Gefängnis sitzt. Es geht aber dennoch immer auch um diesen Mordfall, selbst wenn es vordergründig nicht darum geht. Simpson war im wohl spektakulärsten Strafprozess der Geschichte freigesprochen, in der Zivilverhandlung danach jedoch für schuldig befunden und zu einer Zahlung von 33,5 Millionen Dollar an die Opferfamilien verurteilt worden.

Simpson will nach Freilassung nach Florida ziehen

Er flüchtete deshalb in den US-Bundesstaat Florida, um sein Vermögen zu schützen, einige seiner Besitztümer wie Trikots und Trophäen wurden versteigert, manches wurde gestohlen. Im Jahr 2007 wollte sich Simpson einige dieser Andenken zurückholen und überfiel gemeinsam mit Komplizen einen Sportandenken-Händler namens Bruce Fromong in einem Hotelzimmer in Las Vegas. Dafür wurde er ein Jahr später wegen bewaffneten Raubüberfalls und Angriffs mit einer Waffe zu einer Haftstrafe von 33 Jahren verurteilt. Seitdem sitzt Simpson in einem Knast in der Wüste von Nevada, 150 Kilometer entfernt von der nächsten größeren Stadt Reno.

Er hat Kurse gegen Gewalt absolviert, Konflikte anderer Insassen geschlichtet, vor vier Jahren wurden fünf der zwölf Anschuldigungen zur Bewährung ausgesetzt. Bei der Anhörung am Donnerstag sagte sein Opfer Fromong: "Er sollte freigelassen werden." Und Simpson: "Es tut mir leid, dass es passiert ist. Ich war froh, meine Sachen zurückzubekommen, aber das war es einfach nicht wert. Es tut mir leid." Ende September 2022 endet die Bewährung, Simpson wäre dann ein freier Mann, sollte er sich bis dahin nichts zuschulden kommen lassen.

Er will dann nach Florida umziehen, um bei seinen Kindern zu sein, aber möglicherweise auch, um sein Vermögen vor den Auflagen der Zivilprozesse zu schützen. Es wird in O. J. Simpsons Leben immer um diesen Mordfall gehen, auch wenn es vordergründig nicht darum geht.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3597547
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 21.07.2017
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.