Angst vor Katastrophen Verfassungsschutz will Prepper-Szene beobachten

'Prepper' Bastian Blum zeigt am 22.08.2016 in Krefeld (Nordrhein-Westfalen) in seinem Keller seine Lebensmittelvorräte.

(Foto: Henning Kaiser/dpa)
  • Sogenannte "Prepper" bereiten sich auf mögliche Katastrophen vor, in denen das staatliche Versorgungssystem zusammenbricht.
  • Viele in der Gemeinschaft bezeichnen sich als unpolitisch - doch in einigen Foren herrscht ein rechtsradikaler Ton.
  • Nun sollen Sicherheitsbehörden die Szene durchleuchten. Ein Soziologe warnt davor, sie zu kriminalisieren.
Von Martin Pfaffenzeller

Manche stapeln Gulaschkonserven im Keller, andere haben einen gepackten Fluchtrucksack im Kofferraum und einige horten Waffen. Prepper (von Englisch prepare) bereiten sich auf eine Katastrophe vor. Und sie stehen neuerdings im Fokus des Verfassungsschutzes.

Die Innenministerkonferenz beschloss am Freitag, dass die Sicherheitsbehörden ein bundesweites Lagebild der Prepperszene erstellen sollen. Man wolle klären, ob der Szene "möglicherweise rechtlich" zu begegnen sei, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier, der das Thema auf die Agenda gesetzt hatte. Caffier wurde Ende August auf mögliche Gefahren aufmerksam, als Polizisten im Auftrag der Bundesanwaltschaft die Wohnungen von Männern aus der Prepperszene Mecklenburg-Vorpommerns durchsuchten. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie über die Liquidierung von Politikern fabuliert haben. Die Ermittlungen dauern an.

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Die Preppergemeinschaft sieht Unterwanderungsversuche Rechtsextremer

Das Phänomen Preppen wurde 2016 publik, als das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe öffentlichkeitswirksam empfahl, Vorräte für 14 Tage anzulegen. Daraufhin stiegen Reporter mit Preppern in den Keller, stapften mit ihnen durch den Wald und ließen sich Überlebenstricks zeigen.

Abgesehen davon ist die Szene in Deutschland kaum erforscht. Es gibt keine gängige Definition. Wo hört ein Hamsterkauf im Sinne der BBK-Empfehlung auf und wo fängt Preppen an?

Bastian Blum ist das bekannteste Gesicht der Szene und leitet die Preppergemeinschaft Deutschland. "Von der Großmutter über Studenten bis zum Landesminister ist alles dabei", sagt er, insgesamt mindestens 180 000 Menschen. Jedoch versuchten Rechtsextreme, seine Gruppe zu unterwandern, sagt Blum. Im Frühjahr kontaktierte ihn etwa ein bekannter Neonazi. Blum blockte die Anfrage.

Unpolitisch und gewaltfrei gibt sich auch Christian J., Abteilungsleiter Süd des 2017 gegründeten Prepper e.V.. Er glaubt an Wikinger-Götter und beschreibt sich selbst als Patriot, "national und sozial eingestellt". Sein Verein organisiert aber auch Übungen mit der Armbrust. "Wir sind politisch komplett neutral", versichert J. jedoch. Sorgen bereite ihm das Bankensystem, er sei auf den "Fall X" vorbereitet. Dabei wolle er aber keine Waffen benutzen: Wenn plündernde Horden umherzögen, könne er seine Familie ohnehin nicht verteidigen. Zum Preppen kam er über politische Facebookgruppen.

Der Soziologe Luy warnt davor, die ganze Szene zu kriminalisieren

In manchen geschlossenen Prepper-Facebookgruppen kursieren Bilder von Schusswaffen. Der Ton in diesen Foren ist offen rechtsradikal. Dennoch lässt sich kaum beurteilen, ob es sich um scharfe Waffen handelt.

Mischa Luy erforscht die Szene seit einem Jahr. "Bei rechten Preppern beinhalten die Katastrophenszenarien Bezüge zu Flüchtlingskrise, Islam und populistischer Elitenkritik", sagt der Soziologe von der Ruhr-Universität in Bochum. Luy warnt davor, die ganze Szene zu kriminalisieren. "Nicht alle Prepper horten Waffen und tun dies darüber hinaus mit einer politischen Motivation."

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe begrüßt, dass der Staat extremistischem Gedankengut entgegentritt. "Aber es kommt auf die Kommunikation an. Es darf nicht heißen: Wer vorsorgt, steht unter Verdacht", sagt Abteilungsleiter Wolfram Geier.

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