bedeckt München
vgwortpixel

Angriff auf Friedhof in Frankreich:Jugendliche sollen jüdische Gräber geschändet haben

  • Im Zusammenhang mit der Schändung jüdischer Gräber auf einem Friedhof in Ostfrankreich sind fünf Jugendliche festgenommen worden.
  • Frankreichs Premierminister Manuel Valls appelliert nach der Tat an die Juden in seinem Land, in Frankreich zu bleiben.
  • Damit reagiert der Regierungschef auf einen Aufruf von Israels Ministerpräsident Netanjahu, der europäische Juden zur Migration nach Israel aufgefordert hatte.
  • Bundeskanzlerin Merkel sagte den Juden in Deutschland Schutz zu: "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt."

Jugendlicher stellt sich der Polizei

Die Schändung hunderter jüdischer Gräber in Ostfrankreich ist offenbar die Tat einer Gruppe Jugendlicher. Wegen des Angriffs auf den jüdischen Friedhof in Sarre-Union seien fünf Verdächtige im Alter zwischen 15 und 17 Jahren in Polizeigewahrsam genommen worden, sagte Staatsanwalt Philippe Vannier.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls sagte: "Unsere Botschaft an die französischen Juden lautet: Frankreich ist verletzt wie Sie, und Frankreich möchte nicht, dass Sie gehen."

(Foto: AFP)

Die jungen Leute stammen demnach aus der Region, sind nicht vorbestraft und bislang nicht wegen einer ideologischen Einstellung in Erscheinung getreten. Einer der Jugendlichen stellte sich laut Vannier der Polizei, räumte eine Tatbeteiligung ein und nannte die Namen der anderen.

Der Friedhof war bereits zum dritten Mal Ziel von Vandalen. 1988 wurden dort 60 Stelen umgeworfen, im Jahr 2001 mehr als 50 Gräber verwüstet.

Hintergrund: 250 beschädigte Gräber

Die Grabschändung wurde am Sonntag bekannt, hatte sich nach Vanniers Worten aber bereits am vergangenen Donnerstag ereignet. Etwa 250 von 400 Gräbern auf dem jüdischen Friedhof wurden beschädigt, ebenso ein Monument zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust. Die schwerste Grabschändung auf einem jüdischen Friedhof in Frankreich seit fast 25 Jahren sorgte für Empörung, Präsident François Hollande sprach von einer "abscheulichen und barbarischen Tat".

Die Sensibilität für Angriffe auf jüdische Einrichtungen ist in Frankreich besonders hoch, seit bei den Anschlägen in Paris im Januar ein jüdischer Supermarkt Ziel eines terroristischen Angriffs geworden ist. Die französische Regierung hält seitdem an den landesweit verschärften Sicherheitsvorkehrungen fest. In den vergangenen Jahren haben judenfeindliche Angriffe in Frankreich deutlich zugenommen, im Jahr 2014 wurden gar doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr registriert.

Premierminister Valls fordert Juden zum Bleiben auf

Der französische Regierungschef Manuel Valls appellierte am Morgen an die jüdischen Bürger, im Land zu bleiben. "Unsere Botschaft an die französischen Juden lautet: Frankreich ist verletzt wie Sie, und Frankreich möchte nicht, dass Sie gehen", sagte Valls dem Rundfunksender RTL.

Valls äußerte Bedauern über den Aufruf des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu an die europäischen Juden, nach Israel zu emigrieren. "Die französischen Juden gehören nach Frankreich", sagte Valls.

Netanjahu: Juden aus aller Welt in Israel willkommen

Netanjahu hatte am Sonntag gesagt, er rechne damit, dass sich die Angriffsserie in Europa fortsetzen werde - und betonte, dass Juden aus der ganzen Welt in Israel willkommen seien. Sein Land bereite sich auf eine Einwanderungswelle aus Europa vor. Netanjahus Aussage bezog sich auf die Anschläge am Wochenende auf ein Kulturzentrum und die Synagoge in Kopenhagen, bei denen zwei Menschen getötet worden waren.

Merkel sagt Juden in Deutschland Schutz zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Juden in Deutschland Schutz zugesagt. "Wir werden seitens der Bundesregierung, aber auch seitens der Landesregierungen und aller Verantwortlichen in Deutschland alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen, die Sicherheit der Bürgerinnern und Bürger, die jüdischer Herkunft sind, gewährleistet wird", sagte Merkel. "Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben", sagte die Kanzlerin, "Wir sind froh und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt."