Kontext ist alles im Leben. Für viele Menschen wäre wahrscheinlich das Angebot sehr attraktiv, in einem Farmhaus mit vier Schlafzimmern, vier Badezimmern und zwei Empfangsräumen zu leben, noch dazu auf dem Gelände des königlichen Anwesens Sandringham. Für Andrew Mountbatten-Windsor, bis vor Kurzem Prinz Andrew, Herzog von York, ist es gleichbedeutend mit einer öffentlichen Degradierung. Und genau das ist auch der Sinn der Umzugspläne, die sein Bruder König Charles III. für ihn gefasst hat: Andrew soll so rasch wie möglich in ein Marsh Farm genanntes Haus im englischen Norfolk einziehen und damit auch hinsichtlich seiner Unterkunft den verordneten Schritt in die Bürgerlichkeit vollenden.
Aus Andrews Sicht ist das eine Demütigung. Denn wenn der Lieblingssohn von Königin Elizabeth II. sich auf eines verlassen zu können glaubte, dann darauf, dass er für immer ein Leben in unglaublichem Luxus führen würde. Wohl niemand sonst in der britischen Royal Family nutzte so scham- und rücksichtslos die Vorteile, welche der Zufall mit sich brachte, als ein Windsor geboren worden zu sein.

Seit seiner Kindheit, in der er die Bediensteten des royalen Haushalts mit grausamen Streichen und herrischem Gebaren quälte, hat Andrew sein Geburtsrecht als königliche Hoheit maximal ausgenutzt, um einzufordern, was ihm seiner Meinung nach zustand: Geld, Sex und, natürlich, auch die angemessene Unterbringung: Seit 2003 wohnt er für eine nominelle Pacht in der sogenannten Royal Lodge. Bis zu ihrem Tod 2002 hatte dort seine Großmutter residiert, die Königinmutter Elizabeth. Fraglos hielt Andrew das historische Anwesen im Windsor Great Park mit seinen 30 Zimmern und eigener Kapelle für das Mindeste, was er erwarten durfte.
Doch spätestens seit ihm sein Bruder Ende vergangenen Jahres in der Folge neuer Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal sämtliche Titel aberkannte, war klar, dass weder Andrew noch seine geschiedene Frau Sarah Ferguson, die 2008 bei ihm eingezogen war, nicht in Windsor würden bleiben können. Allein die Tatsache, dass Andrews Neffe, Thronfolger Prinz William, mit seiner Familie mittlerweile in der nahe gelegenen Forest Lodge residieren, hätte als Grund für einen Umzug genügt. Der Prince of Wales hatte dem Vernehmen nach überdeutlich gemacht, dass er Andrew und Sarah nicht in seiner Nähe dulden würde.
Dass Marsh Farm Andrews neues Heim sein wird – Ferguson muss sich etwas anderes suchen –, bestätigte der Buckingham-Palast erst, nachdem aufgefallen war, dass es neuerdings ein Überflugverbot für das Haus auf dem Gelände des Sandringham Estate gibt. Da Marsh Farm seit Jahren unbewohnt und anscheinend dringend renovierungsbedürftig ist, arbeiten seit Anfang des Jahres ein Bautrupp und ein Security-Team hinter einem in aller Eile hochgezogenen Bauzaun mit Hochdruck daran, das Backsteingebäude bewohnbar zu machen. Zuletzt wurde beobachtet, wie ein Mitarbeiter des Senders Sky eine Satellitenschüssel auf dem Dach installierte. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien verbringt Andrew die meiste Zeit des Tages vor dem Fernseher. Die Kosten für das Sky-Paket dürften für seinen Bruder, den König, der von Andrew keine Miete verlangen wird, im Vergleich zu den übrigen Ausgaben zu verkraften sein.
Bisher war von einem Umzug bis Ostern die Rede. Doch am vergangenen Donnerstag wurde ein Umzugswagen vor der Royal Lodge gesichtet. Laut der Times könnte Andrew, um ihn so rasch wie möglich aus der Royal Lodge herauszubekommen, bis zum Abschluss der Renovierungsarbeiten an Marsh Farm in einer Übergangsunterkunft bei Sandringham wohnen.
Optionen sind laut der Times Wood Farm, der letzte Wohnsitz des 2021 gestorbenen Prinz Philip, oder York Cottage, ein Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert, der jetzt als Verwaltungsgebäude dient. Außerdem sind hier derzeit Bedienstete des Sandringham-Anwesens untergebracht. Mit dem Personal unter einem Dach leben zu müssen – zweifellos eine weitere schlimme Demütigung für Andrew Mountbatten-Windsor.

