Raumfahrt:„Earthrise“-Fotograf Anders gestorben

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Das Foto „Earthrise“ zeigt die Erde hinter dem Mond. Es wurde zum Symbol für die Fragilität und Isolation des Planeten. (Foto: William Anders/NASA via AP)

Der frühere US-Astronaut kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, er wurde 90 Jahre alt. Sein aus dem All aufgenommenes Foto der Erde veränderte die Sicht der Menschheit auf den Planeten.

Der frühere US-Astronaut William Anders, dem eines der ikonischsten Fotos der Raumfahrtgeschichte gelang, ist tot. Er kam ums Leben, als ein von ihm gesteuertes Kleinflugzeug nordwestlich der US-Großstadt Seattle ins Meer stürzte, wie US-Medien unter Berufung auf seinen Sohn Greg berichteten. Anders wurde 90 Jahre alt. Er sei allein mit dem Flugzeug unterwegs gewesen, hieß es. Der Absturz werde von den Behörden untersucht.

Anders war 1968 Teil von „Apollo 8“, dem ersten bemannten Flug zum Mond, allerdings ohne Landung. Die drei Astronauten von „Apollo 8“ verbrachten damals als erste Menschen Weihnachten im All. An Heiligabend gelang ihm das Foto „Earthrise“ (Erdaufgang), auf dem im Vordergrund der Mond und im Hintergrund die quasi aufgehende Erde zu sehen ist. Es ist eines der wohl bekanntesten, ikonischsten Fotos des Planeten. Es veränderte die Sicht der Menschheit auf die Erde, wurde zum Symbol für deren Fragilität und Isolation und wird von vielen sogar als Auslöser der Umweltschutzbewegung angesehen.

William Anders, hier bei einer Zeremonie im Jahr 2009, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. (Foto: KEVIN WINTER/AFP)

„Anders hat der Menschheit eines der tiefgreifendsten Geschenke gemacht, die ein Astronaut geben kann“, kommentierte Nasa-Chef Bill Nelson auf der Online-Plattform X. „Er ist zur Schwelle des Mondes gereist und hat uns allen geholfen, etwas anderes zu sehen: uns selbst. Er verkörpert die Lektionen und das Ziel von Erkundung. Wir werden ihn vermissen.“

Anders war auch Präsidentenberater und US-Botschafter

Dabei war Anders selbst gar nicht so überzeugt von seinem Bild. Es sei nicht ganz scharf, sagte Anders einmal der Zeitung Seattle Times. Aber der Anblick der kleinen, blauen Erdkugel, die hinter dem Horizont des grauen Mondes halb im Schatten liegt, habe auch ihn und sein Denken verändert: „Hier sind wir, auf einem unbedeutenden Planeten, der um einen nicht besonders bedeutenden Stern herumfliegt, in einer Galaxie von Millionen Sternen, die nicht bedeutend ist, wo es doch Millionen und Abermillionen Galaxien gibt im Universum – sind wir also wirklich so bedeutend? Ich glaube kaum.“

Die Apollo-8-Crew im Jahr 1968 (von links nach rechts): Frank Borman, William Anders und James Lovell. (Foto: -/AFP Photo / Handout Nasa)

Anders wurde 1933 in Hongkong geboren und wuchs in Kalifornien auf. Er studierte an der Marineakademie, arbeitete bei der Luftwaffe und machte später auch einen Abschluss als Kernenergietechniker. 1963 wurde er als Nasa-Astronaut vorgestellt. Fünf Jahre später bekam er seine erste große Mission zugewiesen: Apollo 8.

Nach seiner Karriere bei der Nasa arbeitete Anders unter anderem als Präsidentenberater, US-Botschafter und bei verschiedenen Kernenergie- und Luftfahrtunternehmen. Zuletzt lebte er auf den San-Juan-Inseln an der Nordwestküste der USA. Anders war verheiratet und hatte sechs Kinder.

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