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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schluss mit schlüpfrig

Männer in Penis-Kostümen
(Foto: Marc Henderson/Mauritius/Alamy)

Die Stadt Amsterdam erklärt Sauftouristen zu unerwünschten Personen, vor allem solche, die sich verkleiden. Ein Kostüm missfällt besonders.

Von Nadeschda Scharfenberg

Sich anständig zu verkleiden, ist heutzutage alles andere als Kinderfasching. Indianer mit Kriegsbemalung oder gelbgesichtige Chinesen, die aus jedem R ein L machen, sind aus gutem Grund von vorgestern, aber auch andere Klassiker sind in Verruf geraten. Prinzessinnen und Feuerwehrmänner zementieren Geschlechterklischees, ballernde Cowboys widersprechen dem Prinzip der gewaltfreien Konfliktlösung. Dann doch lieber ein Bienchen-Umhang. Aber, oh Gott, das Insektensterben!

Mit der Narrenfreiheit ist es also vorbei. Das gilt sogar für die allergrößten Narren überhaupt, für Menschen nämlich, die im Sexy-Krankenschwester-Outfit oder noch Schlüpfrigerem von ihrem Dasein als Junggesellin oder Junggeselle Abschied nehmen. Amsterdam, Standort des angeblich ältesten Sexmuseums der Welt, wehrt sich jetzt gegen phallische Geschmacklosigkeiten. Man wolle nur noch Besucher in der Stadt haben, die Anwohner und Kulturgüter respektieren, teilt das Rathaus mit. Stadtrat Rob Hofland präzisierte im Portal DutchNews: "Wenn es Ihre Absicht ist, die schönste Stadt der Welt zu sehen, kommen Sie nach Amsterdam. Wenn es Ihre Absicht ist, auf Sauftour zu gehen und sich im Peniskostüm danebenzubenehmen, fahren Sie woanders hin!"

Schlechte Nachrichten für Peniskostümbesitzer und für Städte, die "woanders" sind. Gute Nachrichten für die Amsterdamerinnen und Amsterdamer und für um Kostümkorrektheit kämpfende Eltern, denen peinliche Fragen ihrer Kinder erspart bleiben. Und für die Kinder selbst, denn die Gefahr sinkt, mit dem uralten Elternhumor-Verkleidungswitz behelligt zu werden: Weißt du, wie man sich als Streichholz verkleidet? Nackt - der rote Kopf kommt von alleine.

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© SZ/vwu
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