Amoklauf in Lörrach Eine Fehlgeburt - und jetzt die Trennung

Die Rechtsanwältin habe die Trennung von Mann und Sohn wohl nicht verkraftet, das ist der Stand der Erkenntnis. Ein Sorgerechtsstreit sei zwar nicht anhängig. Dazu wäre die Trennung ohnehin noch zu frisch. Freunde berichteten jedoch von Unstimmigkeiten zwischen den langjährigen Partnern. Ein Sorgerechststreit stand wohl kurz bevor.

Sabine R.s Welt war zusammengebrochen. Nach der Geburt Romans hat sie offenbar sogar einen Qualifikationskurs für Tagesmütter des Kinderschutzbundes besucht. Es ging um Grundkurse in Psychologie, Pädagogik und "Erste Hilfe am Kind".

Sabine R. wollte eine gute Mutter sein. Am Ende wurde sie zur Mörderin.

Warum die Rechtsanwältin nach dem Mord an ihrer Familie ins gegenüberliegende Elisabethen-Krankenhaus rannte und dort in der gynäkologischen Abteilung um sich schoss und schließlich einen Pfleger tötete, ist noch unklar. 2004 hatte die Frau dort eine Fehlgeburt erlitten. Einmal hat sich Sabine R. sehr kritisch über das Krankenhaus geäußert. Womöglich hat sie die Fehlgeburt als Angriff auf ihr privates Glück empfunden.

Der Chefarzt der Lörracher Klinik, der Gynäkologe Kurt Bischofberger, erklärt, die Fehlgeburt habe sich in der 16. Schwangerschaftswoche ereignet: "Das Kind war nicht zu retten." Die Frau sei damals nur eine Nacht im Krankenhaus gewesen. "Wie schwer kann ein solches Erlebnis einen Mensch traumatisieren?", fragt Spiegel Online. "So sehr, dass er sich irgendwann rächen will?"

Ein Augenzeuge beschreibt das Auftreten von Sabine R. während der Amoktat in der Badischen Zeitung als ruhig und kontrolliert - unheimlich ruhig: "Sie rennt nicht, sie geht nur. Modisch gekleidet, so hat er sie in Erinnerung, rote Jacke, schwarze Hose, die Handtasche über der linken Schulter, die rechte Hand hängt herab, es ist die Hand mit der Waffe."

Kriminalpsychologe Christian Lüdke sagte der Welt, dass Amokläufe selten eine Affekthandlung seien - dazu passt das kontrollierte Auftreten. "Das Ganze wurde von den Tätern in der Fantasie schon viele Hunderte Male durchgespielt."

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention will überdies nicht ausschließen, dass Sabine R. von dem Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden zu der Tat motiviert wurde. Über die Verhandlung wird seit Donnerstag berichtet. Die sensationelle Berichterstattung über Amokereignisse könnte "die gleiche Denkweise und gleiches Verhalten in Personen auslösen, die sich in einem ähnlichen Stimmungszustand befinden".

Viele Indizien, viele Vermutungen, viele Annahmen. Und letztlich schaut man doch ratlos, hilflos auf die Bilder vom Heiligabend 2009, die Bild zeigt. Zu sehen ist eine attraktive, sportliche Frau mit Kurzhaarfrisur, T-Shirt und Jeans. Neben dem Weihnachtsbaum in Lametta, den kleinen Roman im Arm.

Eine ganz normale Frau mit ihrer Familie. Fast.

Trauer und die Frage nach dem Warum

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