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Alltagsrassismus:Türsteher müssen ihr Handeln nicht begründen

In München hat Hamado Dipama, der in Burkina Faso geboren ist, aber seit Jahren in Deutschland lebt und im Ausländerbeirat aktiv ist, im April 2013 sogar den Test gemacht. Von 25 Clubs, bei denen er sich anstellte, hätten ihn 20 Clubs abgewiesen. Seither klagt er auf Unterlassung und Schmerzensgeld gegen sechs Discobetreiber, bei denen ihm die Diskriminierung besonders offensichtlich erschien. Mehrere Prozesse gewann er, der letzte Fall im Juli ging jedoch negativ für ihn aus, weil das Gericht keine ausreichenden Beweise für rassistische Diskriminierung sah.

Das ist häufig genau das Problem. Türsteher sind nicht verpflichtet, ihr Handeln zu begründen. Warum ein bestimmter Gast tatsächlich nicht eingelassen wird, lässt sich im Nachhinein oft nur schwer klären. Im Zweifel können sich die Betreiber meist darauf herausreden, der Gast habe eben "irgendwie nicht hineingepasst". Die Discotür ist per se kein Ort der Gleichberechtigung, sondern ein Ort der harten Auslese, die oft auch ungerecht und willkürlich ist.

Selten lässt sich die DIskriminierung eindeutig nachweisen

Selten ist die Lage so eindeutig wie im Fall eines Mannes aus Oldenburg, der in einem Pub abgewiesen wurde, weil dort "südländisch aussehende Männer keinen Zutritt haben", wie der Türsteher wörtlich gesagt haben soll. Oder wie in Ingolstadt, wo ein Discobetreiber im Frühjahr für Empörung sorgte, weil er nach Beschwerden anderer Gäste keine Asylbewerber mehr in seinen Laden lassen wollte und seine Ankündigung einen Monat später unter dem Druck der Öffentlichkeit zurückzog.

Discobetreiber Teetz lehnt ein solches Vorgehen ab. "Bei uns kommen grundsätzlich alle Ausländer rein. Wir haben auch keinen Dresscode, so lange jemand nicht zerrissene Jogginghosen trägt. Wir machen aber relativ strenge Kontrollen und lassen uns von jedem Gast den Ausweis zeigen, der dann mit unseren Hausverbotslisten abgeglichen wird", so der Buxtehuder Discogeschäftsführer.

Eine Lösung, um den Verdacht des Rassismus gar nicht erst aufkommen zu lassen, wäre mehr Transparenz. So hat das Antidiskriminierungsbüro in Sachsen gemeinsam mit einer Studenteninitiative Clubbetreiber dazu aufgerufen, ein geordnetes Verfahren bei Beschwerden einzurichten und die Einlassregeln per Aushang für alle Gäste sichtbar zu machen.

Allerdings führt auch das wieder zu Schwierigkeiten. Denn, wie man am Beispiel des Berliner Berghains sieht, besteht der Mythos mancher Clubs ja gerade darin, dass die Gäste keine Ahnung haben, warum sie nicht hereingelassen wurden.

Doch zwischen einem verwehrten Discobesuch wegen gammeliger Turnschuhe oder wegen der Herkunft gibt es einen großen Unterschied: Ein unpassendes Outfit kann man beim nächsten Mal ablegen, die Hautfarbe nicht.

© Süddeutsche.de/jana/dd

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