Albumcover mit küssenden Männern:Rapper löst homophoben Shitstorm aus

  • Mit einem Albumcover, auf dem zwei Männer sich küssen, löst der Berliner Rapper Bass Sultan Hengzt einen Shitstorm aus.
  • Fans posten schwulenfeindliche Kommentare.
  • Rückendeckung erhält Bass Sultan Hengzt von den Grünen-Politikern Cem Özdemir und Volker Beck, aber auch einigen Fans.

Von Manuel Stark

Zwei junge Männer, kurz vor einem intimen Kuss. Die Hände am Kopf des jeweils anderen, die Augen geschlossen. Der Berliner Rapper Bass Sultan Hengzt setzt mit seinem neuen Albumcover ein Zeichen gegen Homophobie. Ein Zeichen das selten ist in der Rapperszene, die gerne besonders männlich tut.

Doch so tolerant wie der Rapper sind offenbar nicht alle seine Fans. Homosexualität und Rap? Das passt für viele nicht zusammen. Als er das Cover bei Twitter postet, löst Bass Sultan Hengzt heftige Proteste im Netz aus.

Album polarisiert

"Das ist ja ekelhaft, Zeit deine Alben zu verbrennen", heißt es auf Twitter. Immer wieder ist von "Schwuchteln" die Rede. Und von "Verrat". Die Rap-Szene kämpft seit Jahren mit Homophobie. Noch 2013 erklärte Snoop Dogg, er glaube nicht daran, dass sich das ändern werde. Dafür sei die Szene zu sehr von ihrem Männerbild geprägt.

Gerade deshalb gibt es auch positive Kommentare auf das Cover von Bass Sultan Hengzt - von Fans und Kollegen, aber auch von ganz anderen Seiten. Ausgerechnet das ARD-Morgenmagazin - sonst nicht als Hort des Gangsta-Rap bekannt - feiert nun den Musiker. Und auch die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Volker Beck erklären sich solidarisch.

Kurswechsel oder Provokation

Doch wie ernst meint Bass Sultan Hengzt sein Statement überhaupt? Zusammen mit Bushido und King Orgasmus One rappte er zu Beginn seiner Karriere als BMW (Berlins Most Wanted). Bushido wurde 2011 mit dem Bambi für gelungene Integration ausgezeichnet. Doch schon nach kurzer Zeit fiel er wieder als Störenfried auf.

Und auch Bass Sultan Hengzt gab sich in seinen Songtexten bislang nicht unbedingt als besonders tolerant zu erkennen. Einige seiner Alben wurden verboten. "Hast einen Schwanz in der Hand aber keine Eier im Sack" heißt es etwa in seinem frühen Song "Clownrapper". Oder: "Für ganz Berlin bist du Schwuchtel zu feminin."

Dann kam sein Album "Endlich erwachsen" und jetzt "Musik wegen Weibaz" mit dem Cover mit den küssenden Männern. Ein Kurswechsel? Oder doch nur Provokation? Ins Gespräch gebracht hat sich der Rapper mit seinem neuen Cover in jedem Fall. Auf Kritik der Fans reagiert Bass Sultan Hengzt gelassen: "Schon über 100 likes auf Facebook verloren - #läuft", schreibt er.

Und ob Zeichen der Toleranz oder besonders schlaues Marketing - er hat es geschafft, eine Debatte über Homophobie im Hip Hop anzustoßen.

Link-Tipp: Die Kollegen von jetzt.de haben mit Bass Sultan Hengzt im Interview gesprochen - über das Cover, die Schönheit des männlichen Körpers und darüber, warum er sich über den Shitstorm freut.

© SZ.de/afis/olkl
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