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Air-France-Flug 447:"Ihr Verhalten ist unmenschlich und zynisch"

Der Vater eines Opfers des Airbus-Absturzes erhebt in einem offenen Brief schwere Vorwürfe gegen Air France. Indes sinkt die Hoffnung auf Bergung weiterer Leichen.

Der Vater einer beim Absturz der Air-France-Maschine ums Leben gekommenen Frau, Bernd Gans, erhebt in einem offenen Brief erneut schwere Vorwürfe gegen die Fluggesellschaft. "Uns als Angehörige haben Sie bis heute völlig allein gelassen", kritisiert er in dem am Dienstag verschiedenen Medien zugeleiteten Schreiben.

Suche nach den Opfern: Mit dem Radar hat die brasilianische Marine eine Fläche von ungefähr 1,2 Millionen Quadratkilometer untersucht. Mehr als 1000 Soldaten sind im Einsatz.

(Foto: Foto: AFP)

Der auf 10. Juni datierte Brief ist neben Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon an zahlreiche Politiker gerichtet, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.

Pressemitteilungen für Angehörige

"Ihr Verhalten ist unmenschlich und zynisch", schreibt Gans weiter. Air France biete zwar über eine Hotline Unterstützung bei medizinischer und psychologischer Betreuung an. Die Fluggesellschaft unterlasse es aber, "uns über die eigentlichen Fakten und Ursachen der Katastrophe zu unterrichten".

Obwohl Air France seit dem Absturz der Maschine am 1. Juni alle Kontaktdaten der Familie bekannt seien, habe das Unternehmen ihr "bis heute keine Informationen über die Suche nach den Opfern und die Untersuchung der Ursachen des Absturzes zukommen lassen". Air France habe lediglich darauf verwiesen, "wir könnten uns die relevanten Pressemitteilungen auf der Homepage herunterladen."

Auch von der Bergung von Leichen, vorläufigen Identifizierungen und Überstellungen der gefundenen Körper habe die Familie nur aus den Medien erfahren. Ebenso sei sie zu keiner der Trauerfeiern eingeladen worden, weder in Paris noch in Rio de Janeiro. Air France habe die Familie lediglich informiert, dass die Fluggesellschaft in Deutschland keine Trauerfeier plane.

Die Hoffnung sinkt

Indes sinkt gut zwei Wochen nach dem Absturz der Maschine die Hoffnung, noch weitere Absturzopfer bergen zu können. Seit vergangenen Freitag sind keine Leichen mehr entdeckt worden. Bislang wurden 49 Leichen aus dem Meer geborgen. Am Montag ortete das brasilianische Militär weitere Wrackteile des abgestürzten Airbus A330.

Der Militärsprecher schloss eine Einstellung der Suche nicht aus: Zwar gebe es bisher kein Zeitlimit, sagte er. Doch solle künftig alle zwei Tage überprüft werden, ob die weitere Suche noch Sinn habe. Seit dem Absturz am 1. Juni habe die brasilianische Luftwaffe bereits 1000 Flugstunden bei der Suche nach dem Wrack und den Leichen absolviert. Mit dem Radar sei eine Fläche von ungefähr 1,2 Millionen Quadratkilometer untersucht worden. Mehr als 1000 brasilianische Marine- und Luftwaffensoldaten seien im Einsatz.

In der Maschine befanden sich 28 Deutsche. Die Absturzursache ist weiterhin unklar.

© sueddeutsche.de/ddp-bay/AFP/aho/ojo

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