Agyness Deyns Alterslüge Für immer 18

Die Karriere von Agyness Deyn begann mit einer Lüge: Das britische Model kehrte sechs Jahre unter den Teppich, weil sie sich mit 24 zu alt für einen Newcomer fand. Doch der Schwindel flog auf. Dabei ist Deyn mit ihrer Verjüngungsstrategie nicht alleine, auch andere Promis schummeln gerne - allen voran Chanel-Chefdesigner Karl Lagerfeld.

Von Sophia Lindsey

Beim Alter geschummelt: Model Agyness Deyn.

(Foto: Getty Images/sz.de)

"I want to be forever young", hauchte Alphaville-Sänger Marian Gold im Jahr 1984 ins Mikrofon - und landete einen internationalen Hit. Kein Wunder, denn der morgendliche Blick in den Spiegel, die verräterischen Fältchen im Augenwinkel und das heimlich ausgerupfte graue Haar lassen genau diesen Wunsch in uns aufkeimen: Für immer jung zu sein.

Achtzehn zum Beispiel ist ein schönes Alter. Irgendwo zwischen Mädchen und Frau, zwischen Unschuld und Sexappeal. Das dachte sich zumindest Model Agyness Deyn im Alter von 24 Jahren, als eine New Yorker Agentur sie unter Vertrag nahm. Agyness entschied: Sechs Jahre sind zu viel, die müssen runter. "Das war einfach zu alt für ein neues Gesicht", beichtet Agyness nun im Interview mit der britischen Tageszeitung The Guardian. Und so erklärte sie sich kurzerhand für süße 18.

Ihren richtigen Namen, Laura Hollins, hatte sie ohnehin bereits geopfert. Denn die Agentur war der Meinung: "Lauras gibt es im Business wie Sand am Meer."

Im wörtlichen Sinne wie neugeboren startete Agyness dann ins Modelbusiness. Mit Erfolg: Das US-Magazin Cosmopolitan feierte sie als das "neue Supermodel", sie schaffte es auf das Cover der italienischen, französischen und britischen Vogue, sogar mit Kate Moss wurde sie verglichen und Designer Henry Hollands widmete ihr ein eigenes Kleidungsstück: "Flick your bean with Agyness Deyn", war auf einem seiner Shirts zu lesen. Auf Deutsch: Mach's dir selbst mit Agyness Deyn. Ihre Strategie schien aufzugehen.

Zumindest fast. Denn schon 2007 machten ehemalige Klassenkameraden des Supermodels mit einer Facebook-Gruppe mit dem Titel "Agyness Dean, du bist nicht achtzehn" auf die Lüge der androgynen Britin aufmerksam. Die so Überführte knickte ein: Jetzt sind die sechs Jahre mit einem Mal wieder drauf - und Agyness geht plötzlich auf die dreißig zu. Vielleicht sucht sie im Spiegel sogar schon nach Fältchen.

Aktuell sucht sich Deyn ein zweites Standbein als Schauspielerin. Zumindest was die Schummelei bezüglich des Alters angeht, passt sie perfekt nach Hollywood: "Super Bass"-Rapperin Nicki Menaj machte sich zwei Jahre jünger, Jennifer Lopez rundete ihr Geburtsjahr von 1969 auf 1970 auf und Sandra Bullock sagte einst dem Magazin Vanity Fair: "Nach einer Weile weiß man überhaupt nicht mehr, wie alt man ist, weil man schon so oft gelogen hat." Viel wahrscheinlicher ist: Man möchte das gar nicht so genau wissen. So wie die Sex and the City-Figur Samantha Jones, die Jahr für Jahr ihren 35. Geburtstag feiert. Doch wenn man nur lange genug darauf besteht, kräht ohnehin kein Hahn mehr danach - so wie bei Karl Lagerfeld, dessen Alter in den Medien stets nur geschätzt wird, weil er sich schlicht weigert, darüber zu sprechen.

Und fernab des Rampenlichts rupfen wir uns heimlich unsere grauen Haare aus und würden unser Alter am liebsten mit "zwischen zwanzig und vierzig" angeben. Dabei wäre es lange an der Zeit, sich stolz zu seiner Lebensreife zu bekennen und den Soundtrack zu wechseln. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Lied "To lose my life" von der Gruppe White Lies? Dort geht der Refrain nämlich so: "Let's grow old together" - Lass uns gemeinsam alt werden.